Presseschau vom 14.4.2008
Tödlicher Wettbewerb um Agrarrohstoffe

Die internationale Wirtschaftspresse sucht angesichts der Hunger-Unruhen nach Lösungen aus der Preisspirale für Nahrungsmittel. Le Figaro glaubt das Ende der Billiglohnländer nahe. Und die Tageszeitung porträtiert Chinas McKinsey für Afrika. Fundstück: Bei Carla setzt das männliche Gehirn aus.

Die » Sunday Times aus Sri Lanka glaubt, dass im Zuge der Hunger-Unruhen mehrere Länder mit niedrigem oder mittlerem Bruttosozialprodukt in politisch instabile Verhältnisse rutschen könnten: „Wenn man Menschen dort trifft, wo es am meisten schmerzt – nämlich in ihre leeren Bäuche – reagieren sie mit Gewalt.“ Doch auch das anspruchsvolle Vorhaben der UN, bis 2015 Hunger und Armut auf der Welt um 50 Prozent zu reduzieren, sei nun ernsthaft gefährdet. „Bereits jetzt kürzen die USA und Europa im Zuge der Finanzkrise die Gelder für Entwicklungsländer“, moniert das Blatt. Auch müsse die globale Migration aus ländlichen Regionen in die Städte gestoppt werden, da diese die landwirtschaftliche Produktion gefährde.

Das » Wall Street Journal macht als Ursache für die hohen Nahrungsmittelpreise nicht nur die Nachfrage aus Indien oder China oder den vermehrten Anbau von Rohstoffen für Biokraftstoff aus, sondern auch hausgemachte Probleme. So hätten die Philippinen Jahrzehnte lang den Import von Reis reglementiert und mit Zöllen belegt, um ihre eigenen Reisbauern zu schützen. „Doch diese Politik hatte den gegenteiligen Effekt: Die Einkommen der philippinischen Reisbauern zählen noch heute zu niedrigsten des Landes.“ Insofern sei die jüngste Entscheidung der Regierung, private Reisimporteure zuzulassen, zu begrüßen: „Der Reishandel muss für alle Marktteilnehmer geöffnet werden. Außerdem sollte das Land langfristig etwas für seine landwirtschaftliche Produktivität tun“, rät das Blatt.

Die derzeitige Preisentwicklung, meint die » FAZ, könnte eigentlich eine gute Nachricht für arme Länder sein, erhielten Erzeuger nun mehr Geld für ihr Getreide: „Tatsächlich profitieren einzelne Produzentenländer wie Brasilien oder Argentinien. Doch 75 Prozent aller Entwicklungsländer kaufen mehr Lebensmittel ein als sie exportieren und leiden deshalb.“ Dabei sei Mangel an Nahrung längst nicht mehr die Ursache von Hungersnöten, sowohl Ernteerträge also auch Nahrungsmittelproduktion seien seit den 60er Jahren signifikant gestiegen. Seit rund zehn Jahren aber stagniere die Entwicklung und die internationale Agrarforschung werde vernachlässigt. Weil nur reiche Ernten jetzt aus der Not retten könnten, sei eine „Agrarrevolution“ von Nöten, die die Ernten ertragreicher mache.

Die » Toronto Sun kommentiert die Folgen für reiche Industrieländer wie Kanada. „Oberflächlich betrachtet haben sich Grundnahrungsmittel hierzulande nicht wesentlich verteuert. Rechnet man aber den Effekt des starken Kanadischen Dollar heraus, ergibt sich plötzlich eine Teuerungsrate von 28 Prozent in den letzten Jahren“, schreibt das Blatt. Sicher müsse man keinen akuten Mangel an Nahrungsmitteln befürchten, doch den Luxus, Überproduktionen an Milch, Butter oder Getreide zu vernichten, könnten sich westliche Nationen künftig nicht mehr leisten. So wiesen schon jetzt Experten darauf hin, dass die aktuelle Finanzkrise nichts sei im Vergleich zu der Gefahr, die von der künftigen Verknappung von Lebensmitteln ausgehe. „Und was wird als nächstes kommen? Der Kampf ums Wasser“, warnt das Blatt.

Die » Tageszeitung aus Berlin befürchtet, dass die Debatte darüber, ob Biosprit zu steigenden Lebensmittelpreisen und damit zu Hunger in der Welt führt, den Industrienationen Argumente liefert, denen Klima- und Umweltschutz schon immer suspekt war. Zwar sei die Schlagzeile „Hunger durch Biosprit“ nicht verkehrt, aber das Fazit dürfe nicht lauten, dass Bioenergie aus humanitären Gründen unvertretbar sei: „Bioenergie ist vertretbar, wenn sie in regionalen Wirtschaftskreisläufen genutzt wird.“. International jedoch könne der Wettbewerb um Agrarrohstoffe „im wahrsten Sinne tödlich“ sein, und daraus gebe es nur zwei Auswege: Entweder die Produzenten in den Entwicklungsländern begrenzten den Export von Biorohstoffen oder die Industriestaaten verweigerten die Annahme. „Und genau das sollten sie jetzt tun.“

Seite 1:

Tödlicher Wettbewerb um Agrarrohstoffe

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%