Presseschau vom 15.1.2008
Showdown der Schaumschläger

Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert das schwammige wirtschaftspolitische Profil der US-Präsidentschaftskandidaten. Das NRC Handelsblad sehnt sich nach einem James Stewart der Bankenbranche und Expansión begrüßt die britische Rückkehr zur Atomenergie. Fundstück: Big sister is watching you!

Die » Washington Times regt sich darüber auf, dass die demokratischen Präsidentschaftskandidaten bisher kaum etwas zu ihren wirtschaftspolitischen Plänen gesagt haben. „Die Umfragen zeigen uns, dass die schwächelnde Wirtschaft, die Aussichten auf ein langsameres Wachstum und die wachsende Arbeitslosenquote das Thema Nummer eins unter den Wählern sind. Aber hat jemand in den Reden von Hillary Clinton oder Barack Obama über den ,Wandel' oder darüber, dass man ,vom ersten Tag an führungsbereit' sein will, gehört, was sie konkret tun wollen, um die Wirtschaft zu stärken oder Jobs zu schaffen?“, fragt das Blatt. Stattdessen sei immer nur die Rede davon, dass man es mit den großen Öl- und Versicherungsfirmen aufnehmen und dazu beitragen wolle, dass die Reichen ihren „fairen Anteil“ bezahlen.

Ähnlich scharf urteilt die » New York Times über die Kandidaten, die „erst allmählich beginnen, das zu begreifen, was viele Wähler bereits durch schmerzhafte persönliche Erfahrungen erkannt haben: Die Wirtschaft ist in Schwierigkeiten und wird sich wahrscheinlich nicht ohne ein behutsames Einlenken der Regierung erholen.“ Besonders die Republikaner hätten nur langsam verstanden, wie tief die Probleme sowie die Ängste und der Pessimismus der Amerikaner seien. Das Allheilmittel der Republikaner, die Zinsen zu senken, ist nach Einschätzung der Zeitung jedoch nicht ansatzweise so effektiv wie höhere staatliche Ausgaben für Arbeitslose oder direkte finanzielle Hilfen für einzelne Bundesstaaten. Die Demokraten seien ebenfalls schwer von Begriff, holten aber auf. In der vergangenen Woche hätten Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards gezielte „Stimulus-Pakete“ angekündigt.

Die » Herald Tribune wundert sich besonders über die Aussage von John McCain, dass Ökonomie „nicht sein Ding“ sei: „Das Thema der Ökonomie ist etwas, das ich nicht so gut verstanden habe wie ich sollte. Ich habe aber das Buch von Greenspan“, zitiert das Blatt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Zwar sei McCains „selbstentlarvender Humor“ attraktiv, schreibt das Blatt. „Aber sollten wir uns nicht Gedanken machen über einen Kandidaten, der so realitätsfremd ist, dass er Mr. Bubble – den Mann, der sich weigerte, den Subprime-Markt zu regulieren, und versicherte, es gebe nur etwas ,Schaum' auf dem Immobilienmarkt – als Quelle seiner klugen Ratschläge angibt?"

Mit Sorge verfolgt der » Toronto Star aus Kanada den US-Wahlkampf. Zum einen legten die Ergebnisse der ersten Primaries nahe, dass ein Sieg von Hillary Clinton oder Barack Obama möglich sei. „Eine Frau oder ein Schwarzer im Oval Office? Das würde Kanada – das Land, das sich gerade in Abgrenzung zum Nachbarn Amerika als überdurchschnittlich fortschrittlich und liberal ausnimmt – in den Schatten stellen.“ Mehr noch aber fürchtet das Blatt Konsequenzen für die Wirtschaft. „Alle Kandidaten, egal ob Demokraten oder Republikaner, werben plötzlich um Amerikas Mittelklasse – und geißeln nicht nur Lobbyisten oder das Auslagern amerikanischer Jobs, sondern attackieren auch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen. Was soll da aus Kanadas Wirtschaft werden, deren Exporte zu drei Vierteln in die USA gehen?„ Das Fazit der Zeitung: Das Schlagwort der Präsidentschaftswahlen – „Wandel“ – verheiße für Kanada nicht nur Gutes.

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