Presseschau vom 15.10.2007
Branson, bitte übernehmen

Nachdem Richard Branson gemeinsam mit Investoren aus den USA und dem Nahen Osten Interesse an einer Übernahme der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Northern Rock angemeldet hat, grübelt die internationale Wirtschaftspresse über die Perspektiven des Virgin-Chefs. Das Fundstück: Wer gewinnt das Duell zwischen Schneckenfressern und sexuell unterdrückten Bankern?

Northern Rock:

„Das Angebot ist ein typischer Branson – ein Mann mit einem Auge für eine gute Chance“, schreibt der » Daily Telegraph. Weil Branson seit langer Zeit Ambitionen auf dem britischen Hypothekenmarkt hege, komme das Angebot nicht überraschend. Sein Plan sei einfach: Mit einem Schlag könnte sich Virgin zehn Prozent am britischen Hypothekenmarkt sichern, während Northern Rock Zugang zu Branson und der Marke Virgin erhalte. Das Bieterkonsortium sei hochkarätig: US-Milliardär Wilbur Ross, der britische Hedge-Fonds Toscafund, der weltgrößte Versicherungskonzern AIG sowie die First Eastern Investment Group. „Bransons Intervention in die Northern-Rock-Saga ist eine willkommene Entwicklung und sollte gebührende Beachtung erhalten“, wünscht sich die Zeitung – das Angebot stelle eine „Rettungsleine“ für die Mitarbeiter der Bank dar. Schwierig könne allerdings die Finanzierung der Wiederbelebung werden, weil die Bank in den kommenden Monaten eine „Cash-Dosis“ von rund 30 Milliarden Pfund benötige.

Die » Times zweifelt daran, dass mit Bransons Angebot eine schnelle Lösung für das Banken-Problem gefunden werden kann. Die „Farce“ um die Rettung der Bank beschädige das Image Großbritanniens im Ausland. Jetzt stünden zu viele Parteien mit unterschiedlichen Interesse in der Schlange der Bieter, als dass die Rettung schnell über die Bühne gehen könnte. Bransons vergleichsweise niedriges Angebot stelle eine „große Verwässerung“ des Aktienkapitals dar. Unter den Hedge-Fonds, die für Northern Rock bieten wollten, sei der Wert der Bank umstritten. In Wirklichkeit, so das Londoner Blatt, „könnte der Wert sogar bei Null liegen.“ Am Ende könnte Northern womöglich „im Regal liegen bleiben, sich vor neuen Geschäften verschließen und das Hypotheken-Buch in den Abfluss schütten“, schwarzmalt die Times.

„Strategisch würde Northern Rock gut zu Virgin Money passen“, kommentiert die » Welt. Branson habe sein 1998 gegründetes Hypothekengeschäft drei Jahre später an die Royal Bank of Scotland (RBS) verkauft; seitdem vertreibe seine Bank nur noch Immobiliendarlehen von zwei Partnergesellschaften. Eine Managerin, die das Geschäft aufgebaut habe und ebenfalls zur RBS gewechselt sei, sei zu Virgin Money zurückgekehrt. Die Finanzierung sei nicht schwierig, weil der Aktienkurs des Unternehmens um mehr als 70 Prozent eingebrochen sei. Aktuell belaufe sich die Marktkapitalisierung auf gut eine Milliarde Pfund. „Dagegen ist weiter unklar, wie es um die Finanzen der Bank steht. Um eine Liquiditätskrise zu verhindern, hat die Bank of England Northern Rock nach Schätzungen von Analysten bislang 13 Milliarden Pfund geliehen.“

Rupert Murdoch Die » Financial Times Deutschland blickt auf den heutigen Start von Fox Business Network, dem neuen Wirtschaftssender des umstrittenen Medienmoguls Rupert Murdoch. Der Kampf zwischen den einzelnen Sendern sei jetzt eröffnet, der Ausgang jedoch ungewiss. „Denn obwohl der US-Fernsehmarkt bereits jetzt stark fragmentiert ist, und mit CNBC und Bloomberg TV über zwei etablierte Wirtschaftssender verfügt, bezweifelt in der Branche keiner das unternehmerische Mediengeschick von Fox-Chef Rupert Murdoch. Zudem steht ihm mit Roger Ailes ausgerechnet jener Mann zur Seite, dem Branchenkenner einen großen Anteil an dem Erfolg von CNBC, einer Tochter von General Electric‘s NBC, zugestehen", analysiert die FTD. Seine Reporter und Redakteure habe Murdoch von Medien wie Forbes, Financial Times, CNBC und Bloomberg rekrutiert. Unter den Mitarbeiter sei Carly Fiorina, Ex-Chefin des Technologiekonzerns Hewlett-Packard.

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