Presseschau vom 15.4.2008
Zombies der Hypothekenkrise

Die internationale Wirtschaftspresse zerpflückt die bisherigen globalen Bemühungen, der Immobilienkrise wirksam zu begegnen. Das Wall Street Journal empfiehlt, der Einschätzung von Investoren auch mal Glauben zu schenken. La Tribune freut sich über Erleichterungen für den Mittelstand. Fundstück: Zahnlose Ideen für die Olympischen Spiele.

Die » New York Times glaubt, dass die jüngsten Maßnahmen der US-Regierung zur Unterstützung des Konsums falsch sind: „Sie kosten den Steuerzahler 200 Milliarden Dollar oder mehr – sind letztlich aber schlecht investiertes Geld.“ Denn nicht der Konsum sei das Problem, sondern die zögerliche Bereitschaft der Amerikaner, gerade jetzt Häuser zu erwerben. „In Zeiten, in denen Immobilienpreise niedrig sind, warten potenzielle Käufer gern noch länger – in der Hoffnung, die Preise könnten weiter fallen.“ Dabei könne ein zeitlich begrenzter Steuerrabatt auf den Immobilienerwerb Abhilfe schaffen. „Es wäre zum Beispiel möglich, Käufern, die sich zum ersten Mal für ein Eigenheim entscheiden, bei der Steuer um fünf Prozent entgegen zu kommen.“ Ein solcher Nachlass würde besonders Familien aus der Mittelschicht und junge Paare überzeugen, sich jetzt ein Haus zu kaufen und nicht später. „Diese Maßnahme würde den Staat nicht viel kosten – und sie brächte uns genau das, was wir dringend brauchen: Hauskäufer.“

Das » Wall Street Journal stellt ebenfalls fest, dass die Bemühungen von Fed und US-Regierung kaum Wirkung entfaltet haben. Man müsse deshalb auch unpopuläre Maßnahmen in Erwägung ziehen, wie zum Beispiel das Drucken von Geld. „Es ist nicht die schlechteste Option, um den Immobilienmarkt zu stabilisieren“, gibt das Blatt zu Bedenken, die Reflation könne tatsächlich helfen, die Krise an der Wall Street abzumildern. „Wenn wir aber stattdessen die Immobilienpreise um weitere 25 bis 30 Prozent abstürzen lassen, könnte das dazu führen, dass Washington bald das gesamt Immobiliengeschäft verstaatlichen muss.“ Zwar berge das Drucken von Geld auch Risiken, doch die Alternative sei lediglich, „sich mit einem Patchwork an inadäquaten Maßnahmen herumzuschlagen.“

Der » Guardian aus Großbritannien berichtet, dass der Vorsitzende der Citigroup Inc, Robert Rubin, auf einer Konferenz am Rande des G7-Treffens Kapitalhöchstgrenzen für Firmen gefordert hat, die auf Hypotheken basierende Sicherheiten nutzen. „Es ist definitiv an der Zeit, über solche Regulierungen nachzudenken, nicht nur für Banken, sondern für alle Finanzinstitutionen und -produkte“, zitiert die Zeitung den einstigen US-Finanzminister. Sicher könnten solche Vorgaben nicht sofort umgesetzt werden, sie sollten aber ernsthaft diskutiert und entwickelt werden, um Krisen künftig vorzubeugen.

Die » FAZ analysiert die Unfähigkeit der britischen Regierung, der Immobilienkrise Herr zu werden: „Gordon Brown wird vorgeworfen, in seinen Jahren als Finanzminister untätig der Preisexplosion am Immobilienmarkt zugesehen zu haben, die viele britische Hauseigentümer jetzt einholt.“ Die brisante Lage am Interbankenmarkt, an dem sich die britischen Hypothekenbanken nur noch zu hohen Risikoprämien refinanzieren könnten, schlage nun auf die Konditionen am britischen Hypothekenmarkt durch. Obwohl die Bank von England den Basiszins mehrfach auf derzeit fünf Prozent gesenkt habe, zögerten die Banken nicht nur, die Zinssenkungen an den Verbraucher weiterzureichen, sondern verschärften sogar die Konditionen. So lieferten sich Schatzamt und Banken einen hitzigen Schlagabtausch: Die Regierung wolle die Hypothekenzinsen gesenkt sehen, die Banken werfen ihr vor, die Krise nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Jetzt sollen Gespräche Abhilfe schaffen.

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