Presseschau vom 15.7.2008
This Bud’s for Belgium

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Übernahme von Budweiser-Brauer AnheuserBusch durch InBev und spekuliert über die Konsequenzen für den Markt. Die Vancouver Sun geißelt den Öko-Imperialismus der westlichen Welt im Kampf gegen die aufstrebenden Länder. Die Brisbane Times stellt Chinas "Dissidenten-Banker" vor. Fundstück: Krieg um Italiens weißen Sand.
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Den Daily Telegraph aus Großbritannien hat die Einigung zwischen InBev und AnheuserBusch kaum überrascht: "Der globale Bierbrauermarkt wird seit einigen Jahren mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: In den westlichen Ländern geht der Bierkonsum zurück, während die Absatzzahlen von Wein und Spirituosen steigen. In den aufstrebenden Ländern dagegen wird mehr und mehr Bier verkauft, aber die Gewinnmargen sind viel geringer." Konsolidierungen stünden angesichts dieser Lage auf der Tagesordnung, "und AnheuserBuschs Weigerung, selbst aktiv zu werden, ist dem Unternehmen nun teuer zu stehen gekommen." Opfer der Fusion könne nun SABMiller sein, die nach der Übernahme von Grolsch selbst zu einem attraktiven Fisch im Teich geworden seien. Doch die neue Nummer Eins werde es nicht leicht haben: So hoffe man bei SABMiller auf Vorteile aus der Fusion: "Das Management von AnheuserBusch wird vorerst damit beschäftigt sein, Kosten zu sparen statt Bier zu verkaufen, und das spielt uns in die Hände", zitiert das Blatt einen SABMiller-Insider. Auch die unterschiedlichen Kulturen von AnheuserBusch und InBev könnten sich als problematisch erweisen. Analysten gingen dagegen davon aus, dass die Fusion vor allem in den USA Früchte tragen werde. "InBev bringt seine Marken Stella Artois und Becks mit und wird diese über das hervorragend ausgebaute Lieferantennetzwerk von AnheuserBusch in den Markt drücken." Das werde den Kampf um Marktanteile zuspitzen, weitere Fusionen seien nicht ausgeschlossen, obwohl die Zahl der Übernahmekandidaten zurückgehe.

Business Week beleuchtet die Konsequenzen der Fusion für den chinesischen Markt. "Inbev war dort bislang Nummer Fünf und praktisch bedeutungslos - was die Liste der Bier-Sponsoren für die Olympischen Spiele eindrucksvoll beweist: Beijing Yanjing Brauerei, Tsingtao Brauerei und Anheuser-Busch. Mit der Übernahme der Budweiser-Brauer sei InBev nun nicht nur schlagartig die Nummer Eins weltweit, sondern auch die Nummer Eins in China. InBev verfüge mit AnheuserBusch über 27 Prozent der Anteile an Tsingtao und 100 Prozent an der Harbin Brauerei. "Insbesondere die Anteile an Tsingtao machen den Deal für InBev äußerst lukrativ." Denn im weltweit größten Markt - 1,3 Milliarden Chinesen haben letztes Jahr 30 Millionen Kiloliter Bier getrunken - hätten es nur eine Handvoll von rund 400 Brauern geschafft, eine nationale Präsenz aufzubauen - und dazu zähle Tsingtao. Zudem sei es AnheuserBusch gelungen, ein landesweites Netz zum Verkauf von Budweiser, Corona und Harbin Premium aufzubauen. Das Geschäft in China werden nun beiden Brauern erlauben, Kosten durch Massenproduktion und-distribution zu sparen - und so mehr Gewinn zu machen. Betroffen seien davon aber nicht nur Konkurrenten wie SABMiller, sondern auch kleine chinesische Brauer. "Sie werden gezwungen sein, über die Grenzen Chinas hinaus zu expandieren."

Die Tageszeitung aus Berlin sieht in der größten Bierbrauerfusion aller Zeiten ein Indiz für die zunehmende Aufspaltung der Branche in ganz große und ganz kleine Unternehmen: "Sie suchen die Nische, oder sie schlucken sich gegenseitig." Ursache dafür seien Umsatzeinbrüche. Biertrinker hätten nur noch mäßig Durst auf den Gerstensaft, die einstigen Trinker würden alt, ohne dass eine neue trendige Szene nachwachse, die Eckkneipe verkomme zum Auslaufmodell. "Zugleich - und das ist das nächste Problem - steigen die Preise für die Rohstoffe und wird die Herstellung teurer. Viele Bauern setzen auf die mit staatlichen Subventionen gedüngten Bioenergiepflanzen. Für die Bier-Ingredienzen Gerste und Hopfen bleibt kaum Platz. So ist der Preis für Braugerste, aus der das Malz gewonnen wird, letztes Jahr um fast 90 Prozent gestiegen." In der Folge werde fusioniert, was das Bier hergebe: Nur noch zehn Konzerne beherrschten beispielsweise 70 Prozent des deutschen Geschäfts. Besser werde das Bier durch die Konzentration allerdings nicht. Das globalisierte Geschmackseinerlei lehne so mancher Bierfreund ab - und bevorzuge stattdessen Bier aus kleineren Fabriken."

"Das Beispiel InBev zeigt, dass die Globalisierung eine Chance ist", zitiert das belgische Nachrichtenportal 7sur7 die Wirtschaftsministerin Patricia Ceysens. InBev, ein Unternehmen, dass als Mittelständler begonnen habe und nun die Nummer Eins im Brauereigeschäft sei, beweise, dass die Globalisierung für Flandern nicht nur Bedrohungen mit sich bringe, sondern auch Wachstumsmöglichkeiten. Die Flamen, so die Ministerin, stünden der Globalisierung im Vergleich zum Durchschnittseuropäer pessimistisch gegenüber. Sie verwies darauf, dass die Übernahme von AnheuserBusch nun konkrete Auswirkungen auf den Export belgischen Biers nach Nordamerika haben werde und habe InBev zu der Operation ausdrücklich gratuliert.

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