Presseschau vom 16.1.2008: Zu groß, um zu gewinnen

Presseschau vom 16.1.2008
Zu groß, um zu gewinnen

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Rekordabschreibungen bei der US-Citigroup und dem deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Der Economist zählt Rezessions-Zeitungsartikel. Die Tageszeitung geißelt das „unverschämte Schmierentheater“ von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Fundstück: Rettet die Nationalwurst!

Nachdem die Citigroup gestern einen Quartalsverlust von fast zehn Milliarden Dollar und Abschreibungen in Höhe von 18 Milliarden Dollar bekanntgegeben hat, stellt das » Wall Street Journal die Frage, ob die Citigroup zu groß ist, um profitabel geführt werden zu können. Nachdem der damalige CEO Sandy Weill die Citi zu einem „finanzielle Konglomerat“ ausgebaut hatte, sei die Bank wiederholt in Krisen gestürzt, zuletzt durch die Verstrickungen in den Enron-Skandal und die Subprime-Krise. „Einige Firmenbereiche sind weiterhin großartige Geschäftsfelder, und sie könnten verkauft werden, um weiteres Kapital aufzubringen“, schlägt das Blatt vor. „Das wäre sicherlich besser, als auf eine Rettung durch den Steuerzahler auszuweichen.“ Fazit des WSJ: Falls das Institut „zu groß geworden ist, um zu scheitern, aber so riesig, dass es nicht gewinnen kann, wäre eine Aufspaltung besser.“

Die » Financial Times Deutschland führt die Negativmeldungen der Citi und des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) zusammen: Für Aktionäre des US-Instituts sei der Dienstag eine harte Prüfung, für die Aktionäre der Hypo Real Estate jedoch eine Katastrophe gewesen. „Für alle übrigen Beobachter ist er eine erneute dramatische Warnung, dass die Folgen der Finanzkrise noch immer nicht überschaubar sind – geschweige denn ökonomisch verdaut.“ Dass die HRE-Aktie um fast ein Drittel einbrach, sei nur ein „konsequentes Misstrauensvotum“ der Investoren: „Entweder hat der HRE-Vorstand bislang Informationen zurückgehalten, die in den Zeiten der Subprime-Krise von höchster Brisanz sind; oder er hat diese Informationen bis vor Kurzem selbst nicht gekannt. Beides wäre ein Alarmsignal, gegen das beruhigende Worte des Managements erst einmal wenig zählen.“

Die Süddeutsche Zeitung greift die Aussage von Hypo-Chef Georg Funke auf, der sich „am Tage der Beichte“ damit gebrüstet habe, das Management habe sich in der Finanzkrise „super geschlagen“: „Nüchtern betrachtet, ist eine solche Aussage aus dem Munde eines Bankchefs nach einem halben Jahr Kreditkrise jedoch erschütternd. Vielleicht hilft die Reaktion der Anleger dem Dax-Konzern-Chef Funke zu verstehen, worum es in dieser Krise geht: Vertrauen.“ Die Aktionäre hätten es Funke zu Recht entzogen, da der Banker doch bis vor kurzem behauptet habe, Hypo Real Estate sei von der Kreditkrise nicht betroffen. „Das hatte vergangenen Sommer auch Stefan Ortseifen gesagt, kurz bevor die von ihm geführte IKB Bank beinahe kollabierte. Ortseifen musste gehen. Und Funke?“

Die französische Ausgabe von » Capital glaubt, dass die jüngsten Rekordabschreibungen der Citigroup wie eine „kalte Dusche“ wirken. „Makroökonomisch betrachtet, sind diese Neuigkeiten eine Katastrophe: Der US-Einzelhandel schwächelt, er ist im Dezember um 0,4 Prozent zurückgegangen. Das deutet darauf hin, dass die Privathaushalte weniger konsumieren. Doch gerade der Konsum war bislang der Wachstumsmotor des Landes“, analysiert das Blatt. Auch andere Wirtschaftszahlen legten nahe, welch dramatische Entwicklung die USA nähmen: Die Autobranche habe zum Beispiel im Dezember ein Umsatzminus von 0,4 Prozent eingefahren, die Unternehmensaktien hätten im November nur noch um 0,4 Prozent zugelegt. Vor diesem Hintergrund lösten die Verlustzahlen der Citigroup ein Gefühl des „Taumelns“ aus: „Wirtschaftsexperten rechnen jetzt mit Stagnation.“

» De Volkskrant aus den Niederlanden sieht in den Citigroup-Verlusten auch „ein Signal, dass die Kreditkrise von den Hypotheken auf andere Kredite überspringt“, schließlich habe Citigroup 4,1 Milliarden Dollar auf ausstehende Konsumenten-Kredite abschreiben müssen. Citigroup sei allerdings auch die Bank, die von allen internationalen Banken am härtesten durch die Krise betroffen sei. Als „Notgriff“ zur Rettung der Bank seien unter anderem 4200 Entlassungen geplant, im Laufe des Jahres würden jedoch vermutlich weitere Kündigungen folgen. Mit Blick auf weitere Banken-Bilanzen, die im Laufe dieser und der kommenden Woche veröffentlicht werden, rechneten Analysten mit den schlechtesten Zahlen seit der Großen Depression in den 30er Jahren.

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