Presseschau vom 17.10.2007
Der heiße Stuhl

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt den Tag der Abrechnungen bei Northern Rock und der IKB. Les Echos geißelt die „Feuerwehreinsätze des US-Staates“ bei Wirtschafts- und Finanzkrisen. Die Süddeutsche zerpflückt die Unionspläne zum staatlichen Vetorecht beim Einstieg ausländischer Staatsfonds in deutsche Konzerne. Fundstück: Kängurus in den Kochtopf!

Die » Londoner Times meldet, dass der gesamte Vorstand von Northern Rock gestern vor einem Ausschuss des britischen Parlaments seinen Rücktritt angeboten hat, nachdem die Hypothekenbank durch die US-Immobilienkrise in die Krise gestürzt wurde. Bis dato habe die Bank of England Northern Rock eine 13 Milliarden Pfund schwere „Rettungsleine“ zuwerfen müssen. Gleichwohl habe Bankchef Adam Applegarth erklärt, dass die weltweite Kreditklemme in Folge der Marktturbulenzen „völlig unvorhersehbar“ gewesen sei. Das Institut habe allen Anforderungen der britischen Finanzaufsicht nach anderen Belastungstests genügt.

Für den » Daily Telegraph hat die Anhörung vor dem Parlamentsausschuss gezeigt, dass Bankchef Applegarth „kein qualifizierter Banker“ ist. „Ich frage mich, wie viele unserer Bankenchefs in diesen Tagen so sind wie er – Marketing- und Vertriebs-Talente sind auf dem Finanzmarkt inzwischen ebenso wichtig geworden wie Bankbilanzen und Kredit-Kriterien.“ Matt Ridley scheine eher ein Wissenschaftler und Journalist geblieben zu sein, statt ein richtiger Chairman. Der Banken-Direktor und frühere NatWest-CEO Derek Wanless sei einmal mehr gescheitert, dieses Mal an der Spitze des „Risk Committee“ bei Northern Rock.

Der BBC-Wirtschaftsredakteur Robert Peston wendet sich in der Rock-Affäre in seinem » BBC-Blog in eigener Sache an die Leser. Nachdem er am 13. September exklusiv in einer Sendung berichtet habe, dass Northern Rock bei der Bank of England um eine Finanzspritze gebeten habe, sei er gestern von Bankenchef Applegarth indirekt angegriffen worden: Laut Applegarth habe das Informations-Leck die Situation der Bank erheblich verschlechtert und dazu beigetragen, dass Kunden der Bank zu den Schaltern geeilt seien, um Milliarden-Summen abzuheben. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand als direkte Folge meiner Sendung sein Geld bei Northern Rock abgehoben hat“, erklärt der Journalist. Er habe Wochen, wenn nicht sogar Jahre an der Story gearbeitet und schon im Juli 2003 auf die riskanten Geschäfte des Instituts hingewiesen.

Die » Financial Times Deutschland berichtet, dass die Mittelstandsbank IKB weitere Vorstände, Markus Guthoff und Frank Braunsfeld, mit sofortiger Wirkung entlassen hat. Hintergrund sei ein Bericht über eine Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) zur Verwicklung der IKB in die US-Hypothekenkrise. Ergebnis: Die Bank habe Schwachstellen in der Risikoanalyse und Steuerung gezeigt. Aufsichtsrat und Vorstand, so die FTD, hätten den Bericht ausgewertet und stimmten mit der Risikoeinschätzung von PwC überein. IKB-Chef Günther Bräunig rechne jetzt mit einem Verkauf des Geldinstituts durch die KfW, die 38 Prozent an der IKB hält.

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