Presseschau vom 17.3.2008
Im Würgegriff der Finanzkrise

Die internationale Wirtschaftspresse wertet die Beinahpleite von Bear Stearns als Zeichen für den miserablen Zustand des Bankensystems. Die Welt hat herausgefunden, welche Noten die Deutschen ihren Top-Managern ausstellen. Fundstück: Erobert Super Mario bald schottische Schulen?

Eine Vertrauenskrise habe Bear Stearns vor eine grauenvolle Wahl gestellt, meint das » Wall Street Journal: „Verkaufen an eine interessierte Großbank, zu welchem Preis auch immer, oder Bankrott anmelden.“ So habe nun JP Morgan den Zuschlag bekommen, für zwei Dollar pro Aktie, was eine Gesamtsumme von 236 Millionen Dollar ausmache. „Der Aktienwert von Bear Stearns lag noch am Freitag bei rund 3,5 Milliarden und im Januar 2007 bei 20 Milliarden Dollar.“ Die Fed pumpe für den Deal 30 Milliarden Dollar in Bear Stearns. Doch die Krise sei damit nicht vorbei, warnt das Blatt. „Der Boden unter den Investmentbanken wankt, und die Befürchtungen der Investoren, dass sich die Bear Stearns-Krise auf weitere Unternehmen ausbreiten könnte, wird heute morgen für einen angespannten Start an der Wall Street sorgen – ungeachtet des J.P. Morgan Deals.“

Die Londoner » Times befürchtet angesichts der Krise das Schlimmste für Amerika und Europa. „Bear Stearns hat ein lange, stolze Geschichte. Die Bank überlebte den Wall Street Crash, den Schwarzen Montag 1987 und zahlreiche weitere Krisen. Diese aber wird sie möglicherweise nicht überleben.“ Bear Stearns stehe symptomatisch für die Finanzkrise, die den Westen zunehmend in den Würgegriff nehme. „Sie betrifft nicht nur Großbanken, Hedge Fonds oder Broker, sie wird auch bei uns, nur ein, zwei Straßen von uns entfernt, ankommen.“ Denn gehe es nach der Einschätzung prominenter Ökonomen wie Martin Feldstein und Larry Summers, stehe Amerika vor seiner schlimmsten Rezession und zugleich größten Herausforderung – und mit ihm auch Großbritannien. „Wenn Amerika niest, ist es bei uns bereits zu spät für eine Impfung.“

Für die » Financial Times Deutschland ist das aktuelle Debakel ein Anzeichen dafür, wie tief die Marktteilnehmer inzwischen in der Angstfalle sitzen: „Die Beinahepleite von Bear Stearns beruht zu einem großen Teil auf Gerüchten. Wilde Spekulationen über eine dramatisch verschlechterte Finanzlage und den bevorstehenden Crash führten dazu, dass die Bank keine Kredite mehr bekam, um ihr Geschäft aufrechterhalten zu können.“ Längst gehe es nicht mehr um nüchterne Zahlen, die Psychologie sei zu einem entscheidenden Faktor geworden, selbst positive Nachrichten könnten sich nicht mehr entfalten. In dieser Situation müsse sich die US-Regierung eingestehen, dass es ohne ihr Eingreifen keinen Ausweg mehr aus der Panikfalle gebe. Sonst drohe das System zu kollabieren.

Die » FAZ erhebt nach der vorläufigen Rettung von Bear Stearns schwere Vorwürfe gegen die Aufsichtsbehörden. „Es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass die Notenbanken ernsthaft darauf achten müssen, eine systemische Bankenkrise zu vermeiden.“ Nicht nur ein Institut befinde sich in einer dramatischen Krise, sondern der gesamte Bankenmarkt sei von einer Liquiditätskrise betroffen. Die Ursache sieht die Zeitung in mangelnder Aufsicht und der Wiederholung von Fehlern. Wie habe es z.B. passieren können, „dass in den Vereinigten Staaten Bürger mehr als 100 Prozent einer Immobilie finanziert bekamen, nachdem genau diese Art der Kreditvergabe zehn Jahre zuvor in Großbritannien zu einer dramatischen Immobilienkrise und Rezession geführt hatte?“ Und warum hätten Banken trotz Großkreditrichtlinien und Eigenkapitalunterlegungsvorschriften exorbitante Risiken außerhalb ihrer Bilanzen anhäufen können? Fazit: Würde die Mehrheit der Bevölkerung verstehen, was derzeit im Finanzwesen ablaufe, wäre das Vertrauen der Bevölkerung in das Bankensystem und ihre Aufsicht zutiefst erschüttert.

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