Presseschau vom 17.9.2007
Eisiger Wind an den Champagner-Bars

Neben Northern Rock Themen der internationalen Wirtschaftspresse: Fortune erinnert daran, dass Alan Greenspan als Fed-Chef sowohl die unsichtbare Hand als auch Schlagringe bevorzugt habe. Die Washington Post sieht die Ursache der Subprime-Krise bei den verwirrten US-Häuslebauern. Le Monde beschreibt die noch schärfere Kritik auf Sarkozys scharfe EZB-Kritik. Fundstück: Business Week gibt Fremdgängern ein Alibi.

Die Londoner » Times berichtet, dass besorgte Kunden bei der durch die US-Immobilienkrise in Schwierigkeiten geratenen Bank allein am Freitag rund eineinhalb Milliarden Euro abgehoben haben – was fünf Prozent der Einlagen enspreche. Die Bank habe im überhitzten britischen Immobilienmarkt eine zu aggressive Expansionsstrategie verfolgt, sucht das Blatt nach Ursachen der Krise. Mit Blick auf die Folgen der Finanzmarktkrise erklärt die Times, dass in den kommenden Wochen ein eisiger Wind durch London wehen werde, weil mehrere Investment-Banken ihre Quartalszahlen vorlegten. Besonders an den Champagner-Bars und in den Luxusauto-Showrooms würden die Folgen der Krise zu sehen sein. Nach Einschätzung von Personaldienstleistern könnten 5 000 bis 10 000 Menschen in London ihre Jobs verlieren.

„Nicht nur die armen Kunden von Northern Rock, sondern jeder ist ein Opfer der Bankenkrise“, kommentiert der Daily » Telegraph. Die Bank habe zwar unkonventionell gehandelt, sei aber kein Exot in der Branche. „Alle Banken kämpfen derzeit mit ähnlichen Problemen.“ Jetzt sei es wichtig, die Kunden davon zu überzeugen, dass ihr Geld sicher angelegt sei – „nicht zuletzt, weil es sich die Regierung nicht leisten kann, dass eine Bank scheitert.“ Gleichwohl müssten sich die Finanzmarktexperten damit auseinandersetzen, dass die Krise des Instituts ein „ernstes Scheitern der Bankenaufsicht“ sei. „Northern Rock war unser Äquivalent der deutschen Landesbanken: ein naiver Außenseiter, der reif war, ausgebeutet zu werden.“ In einem weiteren Artikel zitiert die Zeitung einen Informanten aus dem Umkreis von Northern Rock mit der Einschätzung: „Wenn der Aktienkurs am Montag drastisch fällt, scheint eine rasche Zerschlagung der Bank und der Verkauf ihrer Vermögenswerte unausweichlich.“

Die » Financial Times Deutschland lenkt die Aufmerksamkeit auf die Rettungsmaßnahmen der Bank von England. „Sie gewährt dem Institut Kredit gegen Sicherheiten, die sie sonst nicht von Banken akzeptiert.“ Nur einen Tag vorher habe Zentralbankchef Mervyn King einen Brief an die Abgeordneten des britischen Unterhauses geschrieben, in dem er es abgelehnt habe, den Banken in der aktuellen Kreditkrise irgendwelche Liquiditätshilfen zu gewähren – diese benachteiligten die tugendhaften Kreditinstitute. Bei aller Widersprüchlichkeit verteidigt die FTD die Rettung: „Was immer King dazu getrieben hat: Sein Salto rückwärts war richtig.“

Der » Spiegel glaubt, dass die Krise bei Northern Rock auch deutsche Anleger und Banken treffen könnte, da sich auch hierzulande Fonds mit den großzügig verzinsten Papieren eingedeckt hätten, darunter DWS- und Allianz-Fonds. Da Northern Rock für die verkauften Hypotheken immer noch die Abwicklung der Zinseinnahmen übernehme, „besteht nun bei Investoren die Angst, dass es dort zu Störungen kommen könnte“, erklärt Dominique Linder, Experte für besicherte Wertpapiere bei der Allianz, gegenüber dem Hamburger Magazin. Auch Landesbanken wie die LBBW und die BayernLB seien betroffen. „In ihren umstrittenen Investmentvehikeln, die außerhalb der Bilanz installiert wurden, stecken milliardenschwere Pakete mit verbrieften, britischen Hypotheken.“

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