Presseschau vom 18.9.2007
Kommissare im Nacken

Die internationale Wirtschaftspresse berichtet über die Schlappe von Microsoft gegen die EU-Kommission – bei der auch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kein gutes Bild abgegeben habe. Die Times verfolgt den Exodus von Northern-Rock-Kunden. Fundstück: Die New York Times schwarzmalt, dass für den geizigen Kunden die Küche kalt bleiben könnte.

Nachdem Microsoft vom EU-Gericht zur Zahlung von knapp einer halben Milliarde Euro Kartellstrafe verurteilt wurde, weil das Unternehmen von Bill Gates seine marktbeherrschende Stellung bei Betriebssystemen widerrechtlich ausgenutzt hat, schreibt der » Economist: „Die Entscheidung wird sicherlich neue Impulse für die noch ausstehenden Entscheidungen gegen Intel, Rambus und andere Firmen nach sich ziehen.“ Auch große Technologieunternehmen wie Apple oder Google könnten bald „den Atem der Komission im Nacken spüren“. Die Hauptsorge von Microsoft sei jetzt, die Konkurrenz von Open-Source-Softwareanbietern abzuwehren. Die zunehmende Verbreitung von Online-Anwendungen schwäche den Stellenwert von Betriebssystemen. Gleichwohl sei die Hoffnung der EU-Kommissarin Nelly Kroes, dass der Marktanteil von Microsoft signifikant schrumpfen werde, zumindest auf kurze Sicht „wirklichkeitsfremd“. „Der Stolz von Microsoft mag durch das Gericht beschädigt worden sein, aber seine Dominanz ist kaum in akuter Gefahr.“

» Forbes sinniert darüber, ob Microsoft die Entscheidung des EU-Gerichts anfechten wird. Bis zu einer endgültigen Entscheidung vergingen dann rund zwei Jahre. „Es ist fraglich, ob Microsoft die Saga verlängern will, die schon fast ein Jahrzehnt dauert“, schreibt Forbes. Unabhängig vom juristischen Procedere werde Microsoft künftige Erweiterungen des Betriebssystems genau prüfen.

Kritik an der Dauer der EU-Entscheidung gegen Microsoft übt das » Financieele Dagblad. Gemessen an der Schnelligkeit technologischer Entwicklung sei ein Grabenkrieg von neun Jahren nicht mehr zeitgemäß, findet das FD und fragt, ob der Konsument dann überhaupt noch Nutzen habe: „Wer sitzt denn da und wartet auf einen Windows Media Player auf Standalonebasis?“ Außerdem sollten Unternehmen nicht so lange in schlechtem Licht stehen müssen, dies beeinträchtige die Innovationsbereitschaft. Bei einem nächsten Fall müsse das Ergebnis schneller feststehen, dann bekomme auch der Sieg mehr Glanz.

Die » Frankfurter Allgemeine wundert sich darüber, dass es EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes „selbst an einem Tag des veritablen Triumphs ihrer Behörde“ geschafft habe, Zweifel an ihrer eigenen Kompetenz zu wecken. „Man konnte in Kroes‘ Pressekonferenz den Eindruck gewinnen, diese interpretiere das Urteil als Arbeitsauftrag an die Kommission, Microsofts Marktanteil auf einen bestimmten Prozentsatz zu senken. Eine solche Marktgestaltung ist nicht Aufgabe der Brüsseler Wettbewerbshüter“, heben die Frankfurter mahnend den Finger. Die Beamten der Kommissarin wüssten das, „und sie werden es ihr sicher wieder beizubringen wissen“, ätzt die FAZ.

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