Presseschau vom 19.10.2007
Im Reich der Millionäre

Die internationale Presse blickt auf China, wo neben der Zahl der Millionäre auch die Löhne der Arbeiter rasant steigen. Der Guardian erklärt zudem den internationalen Biermarkt und das spanische Magazin Capital den Erfolg von Apple. Der Nouvel Observateur untersucht obendrein Gerüchte um Lagardére. Im Fundstück enthüllt die New York Times zudem den Trend zum Pechkeks.

Das Reich der Mitte wandelt sich zum Reich der Millionäre – ein Fazit, das » Le Monde aus mehreren aktuellen Erhebungen zieht. So zeige eine Studie der Boston Consulting Group, dass die Zahl der chinesischen Millionäre von 260 000 in 2005 auf 310 000 in 2006 gestiegen ist. China nimmt damit weltweit den fünften Platz im Ranking ein und hat erstmals mehr Millionäre als Frankreich oder Italien. Eine andere Studie, vorgelegt von Merrill Lynch et Capgemini, habe sogar 345 000 Millionäre gezählt, die über ein durchschnittliches Vermögen von 5 Millionen Dollar verfügten. Und eine weitere Quelle behauptet, dass die chinesische Wirtschaft – behalte sie den Rhythmus hinsichtlich Fortschritt und Liberalisierung bei – 70 Millionäre pro Tag hervorbringen könnte. Einziger Trost für abgeschlagene Länder wie Frankreich sei, dass China zumindest hinsichtlich der Millionärsdichte hinterherhinke: 310 000 Millionäre, das sind 0,024 Prozent der Bevölkerung. Frankreich kommt auf 0,43 Prozent.

Die » Zeit beschreibt dagegen die andere Seite des chinesischen Wirtschaftswunders: den Kampf der chinesischen Arbeiter für höhere Löhne, der das Land verändern werde. Die Hamburger Wochenzeitung beschreibt die Fahrt des 31-jährigen Spielzeugfabrikarbeiters Cui Changyong zur Asien-Pazifik-Zentrale von Walt Disney und trommelwirbelt: „Zum ersten Mal wird ein normaler chinesischer Arbeiter bei einem westlichen Weltkonzern vorstellig, um für sich und seine Kollegen mehr Lohn zu verlangen.“ Cui sei einer von rund 800 Millionen arbeitsfähigen Chinesen, die damit beginnen, ihre gerechte Bezahlung von der Weltwirtschaft einzufordern. Die Arbeiterbewegung werde die Weltwirtschaft verändern. „Das Billiglohnparadies China bröckelt jetzt schon. Derzeit steigen die Niedriglöhne um 30 Prozent im Jahr, die durchschnittlichen Einkommen der Menschen wachsen um 14 Prozent – und damit noch weit schneller als die sich dynamisch vergrößernde Wirtschaft.“

Die neue Wirtschaftsmacht China spielt auch im Kommentar der » Herald Tribune zu dem 1,1-Milliarden-Dollar-Köder eine Rolle, mit dem die irakische Regierung iranische und chinesische Firmen locken will, große Kraftwerke in Sadr City und Wasit zu bauen. US-Behörden hätten die Sorge geäußert, dass der Iran solche Projekte ausnutzen könnte, um zu spionieren oder sabotieren. Die Tribune findet besonders bedenklich, dass die Milliarde möglicherweise teilweise aus Washington stammen und ausgerechnet an den Erzfeind fließen könnte. „Die Idee, dass amerikanische Dollar am Ende in iranischen Händen enden könnten, ist politisches Kryptonit.“ Zu einem Zeitpunkt, da die USA und die EU sich vereinten, um den wirtschaftlichen Einfluss Chinas zu begrenzen, sei der US-Regierung aber auch eine chinesische Bastion im Irak nicht willkommen.

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