Presseschau vom 19.11.2007
Zeitbombe in der Downing Street

Nach Einschätzung der englischsprachigen Wirtschaftpresse könnte die Krise bei Northern Rock Englands Premier Gordon Brown das Amt kosten. L’Express kritisiert die Inflationspolitik der Europäischen Zentralbank. Cinco Días drückt den spanischen Bietern im Kampf um die Fluggesellschaft Iberia die Daumen. Fundstück: Tausche Autoteile gegen Tüv-Plakette.

Der » Daily Telegraph sorgt sich um die britische Hypothekenbank Northern Rock. Nachdem der Bankenchef Adam Applegarth am vergangenen Freitag seinen Hut genommen hat, sei das Institut führunglos. Außerdem zeichne sich ab, dass die Bank dem britischen Steuerzahler noch länger als erwartet auf der Tasche liege. Zum heutigen Zeitpunkt seien 25 Milliarden Pfund an öffentlichen Geldern in die Bank gepumpt worden, 2010 werde die Bank dem Steuerzahler noch 10 Milliarden Pfund schulden. In dieser Situation müsse Applegarth’ Nachfolger Bryan Sanderson dem politischen Druck widerstehen und dürfe die Bank nicht an den nächstbesten Bieter verkaufen. „Wenn Unternehmer wie Sir Richard Branson und Christopher Flowers an deine Tür klopfen, mit Banken im Rücken, die bereit sind, ihnen Geld zu leihen, kann man sicher sein, dass sie dies nicht aus Herzensgüte tun“, schreibt das Blatt. Der Steuerzahler, der sein Geld zur Rettung von Northern Rock hergegeben habe, habe aber das Recht, längerfristig von den Gewinnen zu profitieren. Sollte das Finanzministerium einen Verkauf erlauben, mache es sich schuldig, das „öffentliche Portemonnaie“ schlecht verwaltet zu haben.

Der » Guardian sieht den englischen Premier in der Bredouille. „Northern Rock ist ein finanzielles Desaster – und eine tickende politische Zeitbombe für Gordon Brown.“ Für die Regierung von Brown sei dies „explosives Zeug“, weil sie sich bislang einer gründlichen Finanzpolitik gerühmt habe. „Northern Rock ist ein Lackmustest für die Versprechungen der Minister des Premiers, die behaupten, eine Verwaltung mit bisher makellosem finanzpolitischem Zeugnis zu leiten“, zitiert das Blatt einen Beobachter. Neben Brown stehe auch Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, in der Schusslinie, weil die Regierung alles daran setze, die Verantwortung vom Finanzministerium auf die BoE zu schieben. King sei gegenüber der Public-Relations-Maschinerie der Downing Street machtlos.

Die » Times berichtet, dass zwei Großaktionäre von Northern Rock Front gegen einen sofortigen Verkauf oder eine Zerschlagung des Instituts machen. Nach dem Plan von RAB Capital und SRM Global, zweier Hedge-Fonds, die 13 Prozent der Northern-Anteile kontrollierten, solle die Bank unabhängig bleiben. „Der Kaufprozess ist eine Farce“, erklärt SRM-Boss Jon Wood gegenüber dem Londoner Blatt. „Wir müssen den Prozess stoppen, in dem eigennützige Parteien versuchen, das Unternehmen billig zu übernehmen.“ RAB-Chef Philip Richards habe Wood Rückendeckung gegeben: „Dass der Notverkauf jetzt forciert wird, erinnert daran, wie Gordon Brown als Schatzkanzler am unteren Ende des Zyklus den Verkauf von Gold angeordnet hat. Die richtige Reaktion wäre aber, Northern Rock Zeit zu geben und eine erfahrene Führung einzusetzen.“

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