Presseschau vom 19.5.2008
Stoppt den Turbokapitalismus!

Die internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die wachsende finanzielle Not der Mittelklasse. The Motley Fool verrät, wo Investoren die höchsten Renditen kassieren können. Der Business Standard aus Indien glaubt, dass Software-Piraten nur mit Open-Source-Produkten bekämpft werden können. Fundstück: China lässt die US-Feiern zum 4. Juli platzen.

Eindeutig auf die Spitze getrieben sieht die » Süddeutsche Zeitung die Gier von Bankern, Investoren und Unternehmern. Äußerungen wie die jüngste von Bundespräsident Horst Köhler zur Finanzbranche hätten einen wahren Kern: „Sie nehmen die Stimmung vieler Menschen auf, dass etwas schief läuft im real existierenden Kapitalismus.“ Diese Stimmung werde von Fakten gestützt: „Während die Löhne in Deutschland und den USA jahrelang stagnierten, vervielfachten sich die Gehälter der Manager – begleitet nicht von einer Vervielfachung der Verantwortlichkeit, sondern von goldenen Abfindungen bei Versagen.“ Die Globalisierung scheine die Früchte ungleich zu verteilen, Arbeitnehmer schrumpften zu Zahlen im Gewinnplan wie die Lagerbestände. Verantwortlich dafür sei der „Turbokapitalismus der Finanzbranche“, der sich auf ein Motiv reduzieren lasse: Gier. „Manager und Investoren müssen erkennen, dass Gier ein Geschäftsmodell ist, mit dem sie sich am Ende selbst schaden – weil sie bei Arbeitnehmern und Wählern einen Sturm der Entrüstung entfachen, der sie hinwegfegt“, warnt die Zeitung. Es sei Zeit für eine Wende.

Mit alarmierenden Zahlen wartet die » Tageszeitung aus Berlin auf. Nach dem neuen Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung verdienten 13 Prozent der Deutschen weniger als 781 Euro – das als Armutsgrenze festgelegte Einkommen. „Jeder achte Deutsche ist arm. Gäbe es keine staatlichen Sozialleistungen, würde sogar jeder Vierte in Armut leben“, rechnet das Blatt vor – und verweist zugleich auf eine andere Studie, die auf ein noch düsteres Ergebnis komme: „So haben Forscher mit Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im April 2008 einen Armenanteil von 14,9 Prozent der Deutschen errechnet.“ Einig aber seien sich beide Studien darin, dass Arm und Reich weiter auseinander drifteten und der Mittelstand bröckele.

In Großbritannien zeigt sich der » Observer über die wachsende Verschuldung der Mittelklasse besorgt. Schuldenberatungen hätten nicht nur eine Zuwachs an Beratungen um 85 Prozent registriert, sie erlebten auch einen Ansturm ungewohnter Kunden: Lehrer, Polizisten, Hausbesitzer, ja sogar Bankangestellte. „Leichtes Geld“, ausgegeben für Extras oder Luxusgüter, seien die Ursache für deren Lage. „Viele, die uns um Hilfe bitten, haben Kredite nur aus einem Grund aufgenommen: weil es möglich war“, zitiert das Sonntagsblatt einen Berater aus Greenwich. Manche könnten noch nicht mal sagen, wofür sie das Geld geborgt hätten, „so was haben wir bislang noch nicht erlebt.” Hauptprobleme der bislang gut situierten Schicht seien Hypotheken, Darlehen und Kreditkartenschulden.

Der » Morning Sentinel aus Maine hat den Demokraten Ethan Strimling zur Situation der amerikanischen Mittelklasse befragt. Der Politiker sei überzeugt, dass viele Familien zwischen gleichgültigen Politikern und kippender Wirtschaft aufgerieben würden und sich inzwischen von Woche zu Woche durchkämpfen müssten. „Die Misere der Mittelklasse ist so schlimm, dass die Vereinigten Staaten riskieren, die erste Generation zu schaffen, der es nicht besser geht als ihren Eltern“, zitiert das Blatt Strimling. Dieser empfehle, George W. Bushs Steuerkürzungen umgehend zurückzunehmen, die Steuern für Hedge-Fonds-Manager zu erhöhen und die Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen und Universitäten aus Regierungsgeldern zu zahlen. Auch müssten die Mindestlöhne erhöht werden.

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