Presseschau vom 19.8.2008
Die neue industrielle Revolution

Die internationale Wirtschaftspresse beleuchtet den wachsenden Einfluss der Schwellenländer auf die Weltwirtschaft. Die London Free Press findet, dass Ebay nicht zum Marken-Wachhund degradiert werden dürfe. Der Business Spectator sorgt sich um Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter. Fundstück: Bitte keine Hedge Fonds Manager beim Moorhuhnschießen!
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Einen wachsenden Einfluss der Schwellenländer auf das Wohl und Wehe der Weltwirtschaft sagt der Daily Telegraph aus Großbritannien voraus: „Zur Zeit haben wir es mit einer Geschichte über zwei verschiedene Welten zu tun. Die entwickelte, westliche Welt, die in einer handfesten Finanzkrise steckt, und die Welt der Schwellenländer in Asien, Afrika, dem Mittleren Osten, Lateinamerika plus Russland, die von der Kreditkrise weitestgehend verschont wurden und weiter boomen.“ Diese Entwicklung kulminiere in den größten radikalen Wandel, den die Weltwirtschaft seit der Industriellen Revolution vor 200 Jahren durchmache: Eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses auf Wirtschaften wie die chinesische, indische und brasilianische. Sie könnten besser mit dem Abschwung umgehen – und schneller zu neuer Stärke finden: „In Asien wächst eine neue, schuldenfreie Mittelklasse heran, in Afrika generiert die Privatwirtschaft unzählige Jobs, und in China, Indien und im Mittleren Osten boomt die Infrastruktur.“ Die Schwellenländer würden Werte schaffen – und künftig eine entscheidende Rolle für den globalen Wohlstand spielen. „England bleibt da nur, über Qualität mitzuhalten, weiter zu investieren und das Steuersystem anzupassen – und so seine Wirtschaft im globalen Ranking zu positionieren.“

In einem Hintergrundbericht über den abflauenden Inflationsdruck in den Schwellenländern verweist auch die Financial Times Deutschland auf deren Bedeutung für die Weltwirtschaft. „Proteste wegen hoher Benzinpreise, Wachstumsschwäche wegen teurer Importe: Schwellenländer wie China oder Indien leiden besonders unter hohen Rohstoffpreisen.“ Doch inzwischen habe eine Gegenbewegung eingesetzt, die Hoffnung auf eine globale Besserung mache. „Für die Weltwirtschaft sind die Schwellenländer kritisch: 30 Prozent des globalen Wachstums gingen zuletzt allein auf China zurück. Lässt nun der Teuerungsdruck in den aufstrebenden Volkswirtschaften nach, könnte das einen positiven Impuls auslösen – und beispielsweise die US-Wirtschaft stützen.“ Die ermutigende Entwicklung in China oder auch Brasilien dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in anderen Schwellenländern nach wie vor Inflationsgefahren lauerten, warnt das Blatt. „Das gilt für Indien, Malaysia, Mexiko, die Philippinen, Singapur, Südkorea und Vietnam.“

Auch der Standard aus Wien warnt vor der Unsicherheit, mit der das Auftreten der Schwellenländer auf den internationalen Märkten nach wie vor verbunden sei. Beispiel sei die Klimapolitik „made in China“: Um die Luft für Olympia sauber zu halten, sei ein Viertel der Industriekapazität auf staatlichen Druck stillgelegt worden, mit der Begründung, dass das Wirtschaftswunder nach den Spielen weitergehen könne. „Den Börsen gefallen solche radikaldirigistischen Maßnahmen naturgemäß nicht.“ So seien die Aktienkurse in den Wirtschaftsmetropolen Shanghai und Hongkong seit dem Beginn der Sommerspiele spektakulär abgestürzt, der wichtigste Index sei so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. „Aktienanalysten nehmen die Entwicklung als Beweis dafür, dass die Märkte in Schwellenländern wie China eben noch sehr anfällig für kurzfristige Unsicherheiten sind.“ Zudem weise die Säuberung von Pekings Luft auf ein tief gehendes Problem: „Sie zeigt nämlich, wie weit die chinesische Industrie noch von westlichen Umweltstandards entfernt ist.“ Der Westen habe allerdings mit dem Erwerb immer billiger werdender Konsumgüter diese Zustände forciert.

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