Presseschau vom 19.9.2007
Kampf gegen Kernschmelze und Sprachkorruption

Die internationale Wirtschaftspresse fragt nach Ursachen und Auswirkungen der US-Leitzins-Senkung. Forbes und Wall Street Journal untersuchen die Probleme von großen Portalen wie AOL und Yahoo. Der Guardian schießt scharf gegen das Krisenmanagement im Fall von Northern Rock. Fundstück: Libération verfolgt den Kampf der Franzosen gegen „Backup“ und „Day off“.

Die » New York Times schreibt, die Fed habe klargemacht, dass sie die Risiken einer Rezession als zu groß einschätze, als dass sie sie ignorieren könnte. „Der Schritt der Fed könnte für Verbraucher bedeuten, dass die Kreditkosten für Immobilien und Autos sinken“, blickt das Blatt in die Zukunft. „Aber die Auswirkungen könnten dadurch gedämpft werden, dass Investoren angesichts der Qualität von Hypotheken und anderer langfristiger Kredite weiterhin ängstlich sind.“ Das Hauptproblem im vergangenen Monat seien nicht die hohen Kosten, sondern die Verfügbarkeit von Kapital zum Abschluss von Geschäften gewesen.

„Die Fed scheint handeln zu wollen, bevor die Dinge schlechter werden“, schreibt der » Economist. Die Begründung der Fed erinnere an die Argumentation des Fed-Governors Frederic Mishkin beim jüngsten Treffen von Bankern in Jackson Hole. Senkt eine Zentral-bank die Zinsen rasch, so Mishkin, könne dies selbst die Effekte von rapide sinkenden Preisen für Immobilien mildern – nicht zuletzt, weil sinkende Immobilienpreise sich nur langsam in geringeren Verbraucherausgaben niederschlagen.

» Forbes fragt, was nach der Zinsentscheidung der Fed folgen könnte. „Werden die Arbeits- und Immobilienmärkte in den nächsten Monaten weiter schwächeln, im Vorfeld einer Rezession, oder reicht ein schneller Schritt der Fed aus, um die Dinge wieder ins Rollen zu bringen?“ Nach Einschätzung von Richard DeKaser, Chefökonom bei der US-Bank National City, wird die Fed bei ihrer nächsten Sitzung im Oktober ein weiteres Mal den Leitzins senken, diesmal um 25 Basispunkte. Ausschlaggebend seien die rückläufigen Konsumausgaben der Verbraucher.

Die » Süddeutsche Zeitung beschreibt die geteilte Meinung von Finanzmarktexperten. Ein mutiger Schritt – er werde eine „Kernschmelze im Finanzsystem“ verhindern und die Schäden der US-Subprime-Krise in der Weltwirtschaft begrenzen, sagten die einen. Ein fataler Fehler – die Notenbank habe „leichtsinnige und unverantwortliche Investoren von den Folgen ihrer Entscheidungen freigekauft und wird dadurch eine neue Spekulationsblase auslösen“, urteilten die anderen. Notenbankchef Ben Bernanke sei mit dieser Entscheidung jedenfalls dem Beispiel seines Vorgängers Alan Greenspan gefolgt. „Er stabilisiert mit einem kräftigen Eingriff das Finanzsystem und riskiert die Stabilität im breiteren Sinne.“ Bislang habe sich Bernanke eher von Greenspan abheben wollen.

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