Presseschau vom 2. November 2007
Gefangen in der Einbahnstraße

Die internationale Wirtschaftspresse macht sich Sorgen über die Ölpreisentwicklung. Das Wall Street Journal sägt am Stuhl von Bear-Stearns-Chef James Cayne. Die Londoner Times ärgert sich über die Zeitverschiebung. Fortune liefert einen Abgesang auf die großen Detroiter Autofirmen. Fundstück: Kein Sex an Bord

» L?Express aus Frankreich spielt das Szenario durch, das ein Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel mit sich brächte: Das Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien rechne mit einem Inflationszuwachs von 0,6 Prozent für Frankreich und die Union der Brennstoffproduzenten mit einem Preisanstieg von 0,15 Euro pro Liter. Doch besonders Frankreichs Unternehmen litten: In Gefahr seien dann insbesondere die Stahl- sowie die Chemieindustrie - und natürlich Raffinerien, befürchtet das Magazin. Doch das Schlimmste sei, dass Experten selbst bei einem milden Winter - und einem Rückgang des Ölpreises pro Barrel auf rund 75 Dollar - nicht von einer Erholungsphase ausgingen: Eine Studie des Instituts für Brennstoffe belege schon jetzt, dass sich der Ölpreis nach dem ersten Trimester 2008 in "unvorstellbare Dimensionen" entwickeln könne.

Die » Financial Times Deutschland seziert die "große Ölblase". Dass sich das schwarze Gold zielsicher auf die Marke von 100 Dollar bewege, sei nicht gerechtfertigt, sondern "eher eine sich selbsterfüllende Prophezeihung": Finanzinvestoren, Investmentbanken und Hedge-Fonds hätten aus dem traditionell stark schwankenden Ölmarkt eine Einbahnstraße gemacht. "Milliarden Dollar werden bewegt. Und da alle von steigenden Preisen schwadronieren und alle im Zuge der Kreditkrise steigende Preise sehen wollen, steigen diese auch".

Die » International Herald Tribune hinterfragt die Aussage des Energieministers von Katar, Abdullah bin Hamad al-Attiyah, dass sich der Ölpreis längst vom Angebot abgekoppelt habe - weshalb es keinen Unterschied mache, ob die OPEC 500.000 oder eine Million Barrel Öl zusätzlich auf den Markt pumpe: Der Ölpreis würde nicht sinken. Zwar habe der Minister vielleicht implizieren wollen, dass es für die OPEC sinnlos sei, mehr Öl auf den Markt zu bringen, da geopolitische und ökonomische Faktoren außerhalb ihrer Kontrolle die Preise in die Höhe trieben. "Aber das ist keine Entschuldigung", schreibt der Autor. "Solange es kein zusätzliches Angebot gibt, werden sie Preise fast automatisch höher ausfallen als sie es andernfalls täten. Das ist eine Tatsache unabhängig davon, wie sehr man sich über den Terror sorgt oder wie viel Öl China und andere schnell wachsenden Länder nachfragen".

Die » Business Times aus Singapur sieht eine der Ursachen für den Ölpreisanstieg in der Nachfrage aus China. "Das Land löst möglicherweise den größten Druck auf den globalen Ölpreis aus", zitiert das Blatt einen Rohstoffexperten aus Singapur. Die Internationale Energieagentur (IEA) sei ähnlicher Meinung: China und Indien beherrschten die Nachfrage nach Brennstoffen in den kommenden Jahren. Weitere Gründe für den Anstieg des Ölpreises sieht die Business Times im Produktionsrückgang der Ölfelder, in der zunehmenden Akzeptanz alternativer Energien und in der Tendenz, Ölförderer in Nischen zu drängen. Die überraschende Erklärung Chinas, die Erhöhung des Ölpreises auf 96 Dollar pro Barrel an die Konsumenten weiterzugeben, hält das Blatt für eine kluge Entscheidung - China hebt zum 1. November die Preise für Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff um zehn Prozent an.

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