Presseschau vom 20.5.2008
Neue Schlacht gegen „Darth Google“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert Microsofts neuerliche Annäherung an Yahoo – und wertet sie als Anzeichen für die Misere, in der Microsoft steckt. Die Los Angeles Times sieht in der weißen Arbeiterklasse die neuen Verlierer. Die Montreal Gazette wirft den kanadischen Einzelhändlern eiskalte Abzocke vor. Fundstück: Die Zukunft liegt nicht in China, sondern im alten Europa!

Microsofts abermalige Annäherung an Yahoo deutet das » Time Magazine als Anzeichen dafür, wie schlecht es um den Konzern steht. „Microsoft wird von allen Seiten angegriffen, ist aber dabei, die Schlacht an jeder Front zu verlieren. Deshalb versucht das Unternehmen verzweifelt, sich mit Yahoo zu einigen – zu welchen Bedingungen auch immer.“ Grund sei ein fehlende, praktikable Strategie im Bereich Suchmaschinen. Darüber hinaus sei Vista ein Desaster, der Nachfolger Windows 7 noch weit entfernt und das Gegenstück zu Apples iPhone wenig inspirierend. Windows-Chef Kevin Johnson habe nun eine Initiative angekündigt, die das Suchmaschinen-Geschäft „auseinandersprengen“ werde. Dafür wünsche das Blatt Microsoft viel Glück, aber wenn man bereits an einem solchen Punkt stehe, sei es vielleicht sogar für eine Übernahme von Yahoo schon zu spät.

Auch die » New York Times sieht das Image des Software-Riesen in Gefahr. „Die erneuten Gespräche reflektieren die Ängste Microsofts hinsichtlich einer möglichen Kooperation im Bereich Internetwerbung zwischen Yahoo und Google.“ Die hastig wieder belebten Bemühungen legten nahe, dass Microsoft selbst Zweifel am Erfolg seiner frisch verkündeten Initiative für das Suchmaschinen-Geschäft hegt. Das Hin und Her im Umgang mit Yahoo werfe inzwischen Fragen bei Analysten, Investoren, Kunden und Mitarbeitern zur Strategie des Konzern auf. Doch zumindest das Timing für das neue Werben sei gut gewählt: Yahoo bekomme zunehmend Druck aus den Reihen seiner Aktionäre, einige hätten die laxen Bemühungen der Yahoo-Führungsriege, sich mit Microsoft zu einigen, regelrecht erbost – und nun das Eingreifen von Carl C. Icahn begrüßt.

Das » Wall Street Journal zeigt drei Möglichkeiten auf, wie es noch mit einem Micosoft-Yahoo-Deal klappen könnte. „Erstens: Ein Joint Venture im Bereich Online-Werbung. Microsoft würde den Part übernehmen, für den derzeit Google im Gespräch ist.“ Immerhin profitiere bei einer Yahoo-Google Zusammenarbeit vor allem Google, Yahoo bekäme im ersten Jahr „nur“ 550 Millionen US-Dollar. Eine Kooperation von Microsoft und Yahoo würde dagegen beiden die Möglichkeiten geben, aus den Kinderschuhen heraus zu kommen. „Zweitens: Microsoft, Yahoo und AOL schmieden eine Allianz, weil drei Unternehmen mehr können als zwei. Vorteil: Sie könnten sich ‚Darth Google‘ vom Leibe halten.“ Die dritte Option sei, dass Microsoft und Yahoo aggressiver agierten. „Sie könnten z.B. zusammen die Top-Webseiten vom Google-Index abwerben. Kostenpunkt: eine Milliarde US-Dollar.“ Doch was immer die beiden vorhätten, sie müssten Carl C. Icahn zufrieden stellen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung glaubt, dass hinter den neuen Gesprächen nur ein Ziel steckt: die Fusion von Microsoft und Yahoo – und die sei „nur eine Frage der Zeit.“ Seit Microsoft seine Offerte zurückgezogen habe, sei viel geschehen: „Der Finanzier Carl Icahn ist bei Yahoo eingestiegen, will den Verwaltungsrat feuern und das Unternehmen doch noch zu einem Verkauf an Microsoft bewegen. Icahn hat sich mit anderen Großaktionären verbündet und macht den für ihn üblichen großen Wind. Diese Methode hatte ihm in der Vergangenheit häufig Erfolg beschert.“ Zwar würde Yahoos aktuelle Lage Microsoft für das Angebot einer Kooperation bei Online-Werbung nutzen, um besser mit Marktführer Google zu konkurrieren. Für die Aktionäre von Yahoo sei eine Kooperation aber nicht so lukrativ wie ein Verkauf des Unternehmens. Fazit: „Der Druck auf Yahoo, den Avancen nachzugeben, steigt.“

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