Presseschau vom 20.9.2007
Bullen- oder Bärendienst

Das wichtigste Thema der internationalen Wirtschaftspresse bleibt die Zinssenkung der Fed, über deren Folgen die Presse uneins ist. Das Wall Street Journal warnt die EZB vor einer verschärften Kreditklemme. Der Economist düpiert das deutsche Bildungsystem. Forbes fordert einen Ausbau der Ford-Flotte. Die südafrikanische Times lästert über deutsche Steuerflüchtlinge.

"Wohin steuern die Zinsen jetzt", fragt die » Financial Times im Anschluss an die Leitzinssenkung der Fed um 50 Basispunkte. Der Finanzmarkt sei sicher: abwärts. Die meisten Investoren gingen davon aus, dass beim nächsten Treffen der Fed-Strategen im Oktober der Leitzins um einen viertel Prozentpunkt und in zwei weiteren Runden bis Ende 2008 wieder um jeweils 25 Basispunkte auf dann vier Prozent reduziert werde. "Es gibt ein Missverhältnis zwischen dem, was die Fed sagt, und wie die Zins-Wetten auf dem Markt stehen", analysiert die FT. "Aber das muss nicht heißen, dass der Markt falsch liegt. Die Fed hat keinerlei Einschätzung zum Verhältnis der Risiken abgegeben. Sie hat keine neutrale Tendenz - sie hat gar keine Tendenz."

Der » Guardian glaubt nicht, dass durch die Leitzinssenkung der Fed das Gröbste überstanden ist, und erinnert an den Januar 2001. Um das Platzen der Dotcom-Blase auszugleichen, sei der US-Leitzins damals ebenfalls um 50 Basispunkte gesenkt worden. Auch seinerzeit sei der Dow-Jones-Index in die Höhe geschnellt - um 299 Punkte -, um in den kommenden acht Wochen 1 600 Punkte zu verlieren. "Warum? Wegen des Bewusstseins, dass die Ängste der Fed vor einer Rezession begründet waren." Jetzt sei eine ähnliche Entwicklung wahrscheinlich. Mit seinen Ausführungen habe Ben Bernake ebenfalls ein Signal gegeben, dass die Gefahr der Rezession real sei. Insofern sei das Statement der Fed "kaum bullish" gewesen.

Die » National Business Review aus Neuseeland erinnert daran, dass die Leitzinssenkung "der stärkste Pfeil im Köcher der Fed" ist - dieser Schritt sei zuletzt im Juni 2003 vollzogen worden, als die USA aus einer schmerzhaften Rezessionsphase aufgetaucht seien. "Die Tatsache, dass die neue Leitzinssenkung mitten in einem dreiprozentigen US-Wirtschaftswachstum erfolgt, in einer Phase, in der der Aktienmarkt nicht weit von einem Allzeithoch entfernt ist, zeigt, wie ernst die Fed die Subprime-Krise einschätzt."

Skeptisch äußert sich auch » De Volkskrant aus den Niederlanden zur Zinssenkung der US-Notenbank. Das "Geschenkchen" der US-Notenbank verfehle seine Wirkung nicht. Doch die "Süße des niedrigen Zinssatzes" werde bald verfliegen, denn der Ölpreis schlage wieder zu, die Lebensmittelpreise stiegen weiter und der Preisdruck billiger Importkleider, -elektronik und-spielwaren tue sein Übriges. Die Zinssenkung sei ein falsches Signal: Egal, wie groß der Trümmerhaufen sei - Banken und Hedgefonds brauchten sich keine Sorgen zu machen, weil Ben Bernanke die Kohlen doch wieder aus dem Feuer hole.

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