Presseschau vom 22.10.2007
Auf die Zuschauertribüne verbannt

Die internationale Wirtschaftspresse berichtet kritisch von der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Wochenende in Washington. Die New York Times schießt gegen alle Schwarzmaler an der Wall Street. Die Süddeutsche freut sich auf den Fall des VW-Gesetzes. Fundstück: Was tun, wenn der Chef leicht pervers ist?

Die Diskussion über die zurückgehenden finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und den damit verbundenen Bedeutungsverlust führt nun zu Konsequenzen bei der Instution selbst: Die USA, so der » Nouvel Observateur, haben auf der jüngsten Generalversammlung des IWF den künftigen Chef Dominique Strauss-Kahn aufgefordert, die Kosten und das Personal zu reduzieren. „Die Finanzsituation des IWF ist inzwischen unhaltbar. Die Reform des IWF zählt deshalb unbedingt zu den ersten Aufgaben des neuen Generaldirektors“, zitiert das Magazin einen Sekretär des amerikanischen Finanzministeriums. Der IWF habe nach Einschätzung der Ratingagentur Standard and Poor’s im vergangenen Geschäftsjahr rund 71 Millionen an Sonderziehungsrechten verloren, das entspricht einem Wert von rund 110 Millionen Dollar. Dominique Strauss-Kahn, der den Chefsessel des IWF am 1. November übernimmt, habe bereits in seiner ersten Ansprache nach der Wahl zum IWF-Generaldirektor angedeutet, dass man die Kosten des Fonds beschränken müsse.

Der » Standard schreibt, der Internationale Währungsfonds habe ähnliche Akzeptanzprobleme wie die Weltbank, dazu aber noch ein echtes „Mitbestimmungsmanko“: „Dass in dem Fonds Europa und die USA trotz der veränderten wirtschaftlichen Stärkeverhältnisse die Mehrheit haben, ist den Schwellen- und Entwicklungsländern ein Dorn im Auge. Kein Wunder, wenn man sich vor Augen hält, dass Indien etwa über die gleiche Quote verfügt wie Österreich“, so die Wiener. Wie sehr diese Defizite die Bretton-Woods-Organisationen marginalisiert hätten, zeige sich anhand der aktuellen Verwerfungen in Folge der US-Subprime-Krise. Bei der Bewältigung der Finanzkrise habe der IWF keinen Auftrag. „Erst eine innere Reform kann dafür sorgen, dass Fonds und Weltbank wieder von der Zuschauertribüne aufs Spielfeld wechseln."

Auch der » Guardian findet keine freundlichen Worte für die Situation des IWF. Der Fonds betone seit Jahren, dass die globale Wirtschaft gesund sei. „Es ist schwierig zu begreifen, wie man zu einem solchen Statement kommt, da das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Energiemarkt den Erdölpreis in kaum mehr als vier Jahren vervierfacht hat“, wundert sich die Zeitung. Die klare Botschaft des Treffens sei, dass der IWF eine „stark geschrumpfte Institution“ sei. Das beziehe sich nicht nur auf die finanzielle Ausstattung – was alleine schon ein Symptom für die fehlende Legitimation des Fonds bei den Mitgliedern sei. IWF-Direktor Rodrigo de Rato lasse ein sinkendes Schiff zurück, weshalb sein Nachfolger Dominique Strauss-Kahn beim Fonds in einer Situation ankomme, in der die Stimmung der Mitarbeiter auf dem Nullpunkt sei und die Organisation dringend mehr demokratische Wahl-Strukturen sowie eine Vision für die Zukunft benötige.

Für die » Frankfurter Rundschau ist das IWF-Treffen ein Finanzgipfel mit „umgekehrten Vorzeichen“ gewesen: Nicht Schulden, Defizite oder andere Schwächen in den Schwellen- oder Entwicklungsländern hätten im Fokus der Gespräche gestanden, sondern die Finanzkrise der reichen Industrieländer. Sie müssten nun auch Zugeständnisse an China, Indien oder Brasilien machen und über die Staatsfonds reden, die die Schwellenländer zunehmend auflegten, um ihr Geld in Industriestaaten anlegen zu können.

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