Presseschau vom 22.11.2007
Schluss mit dem Lamento

Obwohl der Ölpreis weiter Kurs auf die 100-Dollar-Marke hält, bleibt die internationale Wirtschaftpresse gelassen – und befürwortet sogar noch höhere Preise. Le Monde zweifelt am Erfolg der Merkel-Steinmeier-Koalition. Die New York Times entlarvt den Streit um den „Schwarzen Freitag“. Fundstück: Wenn ein Präsident keine Lust mehr hat.

» Business Week gewinnt dem fast an 100 Dollar je Barrell Öl heranreichenden Ölpreis etwas Positives ab. Zwar wachse die Angst, dass teures Öl die Inflation in den USA anheize, die Ausgaben der Verbraucher schrumpfen lasse – und schließlich der „Katalysator“ sein könnte, der die US-Wirtschaft in die Rezession stürze. Andererseits gebe der hohe Ölpreis der Wirtschaft einen Impuls, endlich die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren und einen effizienteren Energieeinsatz umzusetzen. Die Ölpreisentwicklung werde den Druck auf den US-Kongress erhöhen, Gesetze einzuführen, die erneuerbare Energien unterstützen.

Die Berliner » Tageszeitung vergleicht die Situation auf dem Ölmarkt mit der Lage in den 1970er-Jahren und kommt zum Schluss: „Wir haben eine Finanzkrise, Immobilienkrise, Kreditkrise – aber keine Ölkrise“. Damals sei es die Politik gewesen, die den Ölpreis in die Höhe getrieben habe, jetzt aber trieben nicht nur „das Säbelrasseln der USA gegen den Iran und der Türkei gegen den Irak und die Spekulanten, die zwecks Absicherung gegen einen weiteren Dollarverfall in Rohstoffe investieren, den Preis in die Höhe“. Erstmals gebe es heute die „berechtigte Sorge, dass das Öl ernsthaft knapp wird“. Daher müsse der steigende Ölpreis Anlass für ein langfristiges energiepolitisches Umsteuern sein. „Und nicht für ein bloßes Lamentieren über Wechselkurse und Spekulanten, die den Ölpreis kurzfristig hochtreiben.“

Die » Deutsche Welle glaubt, dass die Auswirkungen des „Ölpreisschocks“ auf Europa schwach seien, da der Dollar im Vergleich zum Euro kräftig verloren habe, weshalb die Ölrechnung für die Europäer gar nicht merklich gestiegen sei. „Wir in Europa (...) haben gelernt, mit hohen Ölpreisen umzugehen, die chemische Industrie, die Metallverarbeitung, die energieintensiven Branchen haben ihre Energieeffizienz rasant gesteigert. Für das gleiche Wachstum brauchen wir heute nur halb so viel Energie wie vor 20 Jahren“, vergleicht der Kommentator. Das „Heilsame“ der jetzigen Situation: Sie zwinge die Industrie, Energie noch effizienter einzusetzen, zwinge die Verbraucher, sich nach sparsameren Heizungen und Autos umzusehen, zwinge die Energieerzeuger, stärker als bisher in die Erforschung und Nutzung alternativer Energien zu investieren. „Je teurer das Öl wird, desto lohnender wird jede Investition, die unsere Abhängigkeit vom Öl verringert. So gesehen, darf es ruhig noch etwas mehr sein beim Ölpreis - denn viel hilft viel.“

Japans Energiepolitik

Das » Wall Street Journal zollt Japan Respekt. Es sei zwar im Moment schwer, positive Investment-Nachrichten aus Japan zu bekommen. Das Land sei aber erfolgreich darin, seine Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren, schreibt Robert Alan Feldman, Leiter der Abteilung Wirtschaftsforschung bei Morgan Stanley Japan, in einem Gastbeitrag. Während der Ölverbrauch noch in den 1960ern doppelt so schnell gewachsen sei wie das japanische Bruttoinlandsprodukt, habe er bereits 20 Jahre später rapide abgenommen. Die Einsparungen beim Energieverbrauch, brächten Japan finanzielle Einsparungen von etwa 140 Milliarden Dollar pro Jahr, so das Blatt. Zwar sei Japan nicht frei von Energiesorgen. „Japan ist aber möglicherweise dabei, andere Länder hinsichtlich seiner Anpassung an die hohen Ölpreise zu überflügeln.“

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