Presseschau vom 22.4.2008
Die Mutter aller Blasen

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Ursachen und Konsequenzen der auf neue Größe angewachsenen „Ölblase“. La Tribune stellt sich schützend vor Alan Greenspan. The Australian beklagt die hausgemachte Immobilienkrise in Down Under. Fundstück: Punkteblindheit ist tödlich fürs Aktiengeschäft.

Der Rekordpreis von 117 US-Dollar für ein Barrel Rohöl dürfe nach Meinung des » Wall Street Journals nicht überraschen. „Zwar liegt der Preis damit selbst über den gewagtesten Prognosen der letzten Zeit, und er hat viele Marktteilnehmer, Banker und Broker überrumpelt.“ Doch gerade weil es keine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage gebe, müsse man davon ausgehen, das Spekulationen die Ursache für die neuerliche Teuerung sind. „Ich glaube, dass wir es hier mit der Mutter aller Blasen zu tun haben“, zitiert das Blatt einen Analysten. Wie andere auch, gehe er davon aus, dass der Preis bald wieder fällt, auf bis zu 80 US-Dollar – denn „hohe Ölpreise legen letztlich den Grundstein für ihren eigenen Zusammenbruch.“

“Nach der Kreditkrise nun also die Energiekrise”, stellt » Seeking Alpha, das amerikanische Fachportal für Aktienmärkte, fest. Die Frage, die sich jetzt stelle, sei, wie lange der globale Energiemarkt solche Preise noch aushalte, denn diese könnten eine noch größere Gefahr für das Wirtschaftswachstum darstellen als die Finanzkrise. Insbesondere die Kapitalmärkte der G7-Staaten, so eine Studie von BCA Research, gerieten nun unter enormen Druck. „Es sieht so aus, als ob der Energiesektor beginnt, sich selbst zu untergraben.“

» Dar Al-Hayat aus Libanon warnt davor, die Rekordpreise für Rohöl mit der Finanz- oder Nahrungsmittelkrise zu erklären. Vielmehr hätten stabile Fördermengen und Angebote, die Flexibilität der Opec-Staaten, aber auch der niedrige Dollar und Spekulationsgeschäfte dazu geführt, dass die Ölpreise vom Ölmarkt (Angebot und Nachfrage) entkoppelt wurden. „Das hat Konsequenzen für die Opec: Sie muss ihre passive Politik aufgeben und künftig aktiv und effektiv in den Markt eingreifen.“ Schließlich seien die Opec-Staaten Dritte-Welt-Länder, die mit wachsender Armut und Inflation zu kämpfen hätten. Ohne wirksame Kontrolle des Ölmarktes könnten langfristig politische und soziale Komplikationen auftreten. „Und letztlich können diese Staaten nur so die Vorteile aus hohen Ölpreisen für sich nutzen.“

Der britische » Guardian glaubt dagegen nicht, dass der neue Rekordpreis für Rohöl die dreizehn Opec-Energieminister endlich dazu bewegen könne, zu einem Konsens hinsichtlich der Steuerung und Kontrolle des Energiesektors zu finden. „Schon beim Preis von 50 US-Dollar pro Barrel hatte die Opec darauf verwiesen, dass nicht Probleme am Ölmarkt für die galoppierenden Preise verantwortlich seien und die Verbraucherländer endlich Regulierungen vornehmen müssten.“ Experten hielten allerdings dagegen, dass die Opec diesen Vorwurf nur als Ausrede gebrauche, um von der eigenen Tatenlosigkeit abzulenken. „Sie selbst müsste strengere Standards vorgeben, statt vom Markt neue Regeln zu fordern.“

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