Presseschau vom 23.11.2009
Schoko-Schlacht um Cadbury

Die internationale Wirtschaftspresse widmet sich der Übernahmeschlacht um den britischen Süßwarenhersteller Cadbury und lotet die Chancen von Hershey und Ferrero aus. Report on Business trägt das Allfinanz-Modell zu Grabe. Der Economist sorgt sich um das deflationäre Japan. Der Financial Express freut sich auf Volkswagen. Fundstück: Hamstern gegen die Krise.
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Für das Wall Street Journal kommt die mögliche Offerte des Süßwarenriesen Hershey für Cadbury nicht überraschend: Nach zwei missglückten Übernahmeversuchen (2002 Wrigley und 2007 Cadbury) scheine sich die Meinung im Unternehmen und in der dahinter stehenden Stiftung geändert zu haben. "Hershey muss seine Leistungsfähigkeit und seine strategische Position für nachhaltiges Wachstum verbessern", zitiert die Zeitung aus einem Meinungspapier des Stiftungsratsvorsitzenden LeRoy Zimmerman aus dem Jahr 2008. Doch die Vorstände von Konzern und Stiftung seien noch uneins: Im Stiftungsrat befürchte die Mehrheit der Mitglieder, dass sich Hershey für einen Deal mit Cadbury zu hoch verschulde. Andere Fragezeichen seien hinter der Haltung der Anteilseigner und in der Stadt Hershey zu vermuten, die ein Verlust der Unabhängigkeit Hersheys erschüttern würde. "Doch die Zeit für Kreditaufnahmen ist derzeit günstig: Die Banken sind bereit, das Fünffache des Ebitda zu geben", merkt das Wirtschaftsblatt an.

Eine "willkommene Alternative in der zunehmend umstrittenen und verfahrenen Situation zwischen den Führungskräften von Cadbury und Kraft" sieht die Financial Times in der möglichen Hershey-Offerte. "Cadbury und Hershey arbeiten seit langem zusammen, Hershey produziert die Süßwaren der Briten für die USA, Überlegungen zu einem Zusammengang der beiden gibt es seit 2007. Immerhin erhielte Hershey so Zugang zu internationalen Märkten." Dennoch: Ein Deal würde die Schulden des amerikanischen Giganten in die Höhe treiben und das Kreditrating Hersheys gefährden. Zudem habe der Stiftungsrat ähnliche Pläne in der Vergangenheit stets verkompliziert. "Und da ist noch die Tatsache, dass Ferrero und Hershey derzeit Gespräche führen: Noch ist unklar, ob die Italiener gemeinsam mit Hershey für Cadbury bieten oder eine eigene Offerte vorlegen."

Die Teilnahme von Ferrero an der momentanen Übernahmeschlacht um Cadbury analysiert ilsole24ore. Durchaus verständlich seien die Bedenken der Familie Ferrero, als börsennotiertes Familienunternehmen gegen einen Multi wie Kraft Foods zu bieten. Die Umsicht, mit der sich das Familienunternehmen aus Alba zum viertgrößten Süßwarenhersteller weltweit entwickelt habe, sei bemerkenswert. Doch schütze die derzeitige Marktposition Familie und Aktionäre nicht vor der Gefahr des Verfalls. Auch die Perlen des "Made in Italia" müssten sich der Konkurrenz stellen, finanziell gut strukturiert und stark im Weltmarkt vertreten sein. Die Aufmerksamkeit, mit der die internationale Finanzwelt auf das Gebot von Ferrero reagiere, zeige jedoch auch, dass italienische Unternehmen im Ausland - zu Unrecht - als schwach wahrgenommen werden. Hier leite Ferrero ein Umdenken ein und belege, dass italienische Unternehmen solide sind, jedoch gerade zu schüchtern auf den internationalen Märkten auftreten.

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