Presseschau vom 23.8.2007
Schlechte Noten für die Notenbank

In der internationalen Presse mehren sich die kritischen Stimmen zur Rolle der Notenbanken in der Finanzmarktkrise. Die New York Times wirft der Fed vor, lange Zeit die Risiken beschönigt zu haben. Businessweek räumt zudem mit dem Vorurteil auf, auf dem US-Arbeitsmarkt gebe es einen Arbeitskräftemangel. Die Asahi Shimbun berichtet obendrein von einem salzigen Sommerhit aus Japan und die Londoner Times sammelt die seltsamsten Gesetze der Welt.

Notenbanken im Fokus

Die » New York Times kritisiert, dass die Fed die aus der Finanzkrise resultierenden Risiken für das Wirtschaftswachstum lange Zeit beschönigt hat. Dass die Prognosen der Fed nicht immer korrekt seien, liege in der Natur der Sache begründet: "Kein Vorausseher liegt jedes mal richtig", schreiben die New Yorker. Kernproblem sei jedoch der Ansatz der Notenbank, "aufzuräumen, nachdem eine Blase geplatzt ist." Dies habe nach der Krise des Neuen Marktes im Jahr 2000 zwar geklappt, anlässlich der Subprime-Krise jedoch nicht. Statt im Vorfeld gegenzusteuern (indem beispielsweise Regeln zur Aufnahme von Krediten verschärft werden), sei die Fed nicht schnell und nicht aufmerksam genug gewesen. "Das nächste Mal könnte es notwendig sein, etwas fester gegen die Blase zu klopfen, noch während diese sich aufbläht", rät der Kommentator.

Der » Guardian kritisiert die Kehrtwende der Fed innerhalb einer Woche. Anfang vergangener woche habe William Poole, Fed-Abgesandter in St Louis, noch versichert, die Fed werde nur bei einer Katastrophe in die Krise auf den Finanzmärkten eingreifen. Kurz darauf habe die US-Notenbank ihren Diskontsatz um einen halben Punkt gesenkt - und die goldene Regel bestätigt, dass die Fed in einer Krise immer Zinsen senke, weil sie keinen anderen Weg kenne. "Jetzt wird den Akteuren auf den Finanzmärkten allmählich klar, dass die Fed die Dinge erschreckend spät angepackt hat", so der Guardian. Ben Bernake habe einfach keinen Plan gehabt, wie die Fed auf den plötzlichen Vertrauensverlust und das Klima der Angst auf den Finanzmärkten reagieren könnte.

Die » Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: "Wer nach dem Auslöser der Finanzkrise forscht, erhält eine beunruhigende Antwort: Es könne sein, dass die Feuerwehr den Flächenbrand an den Finanzmärkten selbst gelegt habe" - die Fed, die in der Krise zusammen mit Zentralbanken aus Europa und Asien die Geldmärkte mit Liquidität flute, habe zuvor mit Zinsen fast zum Nulltarif zur Spekulation auf Kredit verführt. Die auf dem Höhepunkt der Krise jetzt in Aussicht gestellte Zinssenkung sei riskant, weil damit nicht nur US-Hauskäufern geholfen, sondern auch manche Hedge-Fonds gerettet würden. "Damit das nicht als Aufforderung zur Spekulation auf Kosten anderer missverstanden wird, dürfen nicht alle Spekulanten ungeschoren davonkommen. Investoren müssen Verluste fürchten, damit sie den richtigen Preis für Risiko finden."

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