Presseschau vom 24.10.2007
Freie Fahrt für Piëch

Die internationale Wirtschaftspresse blickt in die Zukunft des VW-Konzerns. Expansión feiert deutsche Luxusautos in Spanien. Der Economist erklärt, warum IT-Jobs in Entwicklungsländer outgesourct werden. Fortune bewundert indische Unternehmer. Fundstück: Unterwegs mit einem Skateboard auf der Landebahn.

Das US-Wirtschaftsmagazin » Forbes stellt die Frage, ob Porsche – sei es per Call-Optionen oder durch den direkten Kauf von Aktien – 49,9 oder 50,1 Prozent an VW anstrebt. Das eine sei riskant, weil dann der Weg für eine andere Firma oder einen Fonds offen bliebe, plötzlich die Kontrolle bei VW zu übernehmen; das andere sei teuer, weil Porsche nach deutschem Recht gezwungen sei, ein Übernahmeangebot zu machen. Auf der nächsten Aktionärsversammlng werde Porsche voraussichtlich nicht nur das neue Gesetz in die eigenen Statuten aufnehmen, sondern außerdem ein Maßnahmenpaket zur Modernisierung von Volkswagen vorstellen.

Nach Einschätzung der » Herald Tribune dürfte das Urteil des Europäischen Gerichtshofs das sich schon anbahnende „Firmen-Drama“ weiter anheizen, da die Porsche-Bosse anfangen könnten, das Management und die Belegschaft von VW „niederzudrücken“. „Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat schon erklärt, dass er mit Volkswagen einen Toyota-Rivalen aufbauen will – ein ambitionierter Plan, der es zumindest erforderlich macht, dass VW die verlorene Position auf dem US-Mark wiedererobert“, schreibt die Zeitung. Wiedeking habe wenig Geduld bei Geld verschwendenden Modellen wie dem Phaeton, der sich bislang gegen BMW oder Mercedes nicht habe behaupten können.

» De Volkskrant aus den Niederlanden schreibt: Die Frage sei nicht, ob Porsche die VW-Mehrheit erwerbe, sondern wann dies passiere. Beschwerden dagegen werde es voraussichtlich von keiner Seite geben, weder von der Betriebsleitung, noch vom Land Niedersachsen oder den Arbeitnehmern. Im Weg stehe momentan eher der hohe Kurs der VW-Aktie.

Kämen die Stuttgarter über 51 Prozent, schreibt das nierderländische » Financieele Dagblad, sei dies ein Rückschlag für das Land Niedersachsen, weil Porsche eher auf Gewinnmaximierung konzentriert sei als auf den Erhalt der Arbeitsplätze. Die erste Gelegenheit zur Machtübernahme sei die Aufsichtsratssitzung am 12. November, glaubt die Zeitung. Aber es könne auch mehr Zeit verstreichen, denn mit Blick auf die Landtagswahlen Ende Januar werde Porsche wohl zunächst vorsichtig operieren.

„Für eine Übernahme müsste sich Porsche weit aus dem Fenster lehnen“, glaubt der » Tagesspiegel. „Fünf Milliarden Euro haben die 31 Prozent von VW bisher schätzungsweise gekostet. Dieser größte Teil ist zu wesentlich niedrigeren Kursen gekauft worden. Die restlichen 20 Prozent dürften deutlich teurer werden.“ Das Szenario einer schnellen Übernahme sei daher nicht sehr wahrscheinlich. „Die Kredite und daraus folgende Zinslasten dürften auf die Schnelle eine zu große Bürde darstellen.“ Jetzt hätten es Politik und vor allem Porsche-Boss Ferdinand Piëch in der Hand zu zeigen, dass ein Gang des Konzerns in die freie Marktwirtschaft kein Untergang sein müsse. „Auf lange Sicht ist die Ehe zwischen Porsche und Volkswagen gut für die deutsche Wirtschaft. Porsche baut schließlich in Deutschland Autos und hat nie zu erkennen gegeben, daran was ändern zu wollen. Auch bei VW nicht.“ Doch auf einige der lieb gewonnenen Privilegien werde man in Wolfsburg schon verzichten müssen.

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