Presseschau vom 24.12.2007
Opfer des eigenen Erfolgs

Die Wirtschaftspresse analysiert das Streichkonzert bei BMW. Die Herald Tribune unterhält sich mit Wolfgang Porsche über die Übernahme von VW. Die FAZ glaubt, dass Topverdiener Armen nichts wegnehmen. Forbes kürt Nvidia als bestes US-Unternehmen 2007. Fundstück: Wladimir Putin philosophiert über Harry Potter.

Die » Süddeutsche Zeitung hinterfragt den angekündigten Abbau von 8000 Stellen bei BMW. Die Krise bei den Münchnern sei nicht die Folge einer gravierenden Absatzschwäche, habe ihren Grund auch nicht in der politischen Debatte über die Umweltbelastung durch CO2, sondern sei eine Folge des Erfolgs. „Die Manager, denen die Autos jahrzehntelang in der ganzen Welt praktisch aus der Hand gerissen wurden, haben sich nicht genug um die Rationalisierung der Werke gekümmert“, lautet der Vorwurf der SZ. Die Manager hätten sich auf den Lorbeeren aus der Vergangenheit ausgeruht; als der Gewinn pro Auto zu schrumpfen begonnen habe, hätten sie eben mehr Fahrzeuge verkauft. „Die Kunden freuten sich über Rabatte und das Problem fiel lange nicht auf. Weil zuletzt der schwache Dollar die bereits schrumpfenden Gewinne völlig zu verhageln drohte, war die Zeit zum Handeln gekommen.“ Fazit: Der einstige Leuchtturm der Wirtschaft, der auch in konjunkturell düsteren Zeiten gestrahlt habe, sei bedroht. „Niemand kann sich auf seinem Arbeitsplatz noch sicher fühlen. Wenige Tage vor Weihnachten ist diese Erkenntnis besonders bitter.“

Die » Thüringische Landeszeitung wirft dem Münchner Autobauer vor, dass ihm die gesellschaftliche Verantwortung abhanden gekommen sei. Dass vor allem Zeitarbeiter von den Stellenstreichungen betroffen seien, möge zwar die Gewerkschaften ein wenig besänftigen, ändere aber an der Sachlage nichts. „Schöne Bescherung so kurz vor Weihnachten. Wen wundert's, dass die BMW-Aktie geradezu einen Freudensprung von mehr als fünf Prozent macht und damit zum Tagessieger an der Börse wird.“ Dies sei eine „fatale, eine gefährliche Entwicklung“, kommentiert das Blatt. „Hier verbirgt sich sozialer Sprengstoff par excellence. Arbeitnehmer, die sich selbst im Konjunkturboom nicht mehr auf ihre Stellen verlassen können, Firmenmanager, die sich nur noch den Aktionären verantwortlich fühlen – so hebelt man das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft aus. Das Adjektiv sozial bleibt auf der Strecke.“ Schlusspunkt des Kommentars: BMW lege langfristig „die Axt an die Grundlagen der Gesellschaft.“

Das » Wall Street Journal erkennt im BMW-Stellenabbau eine Zäsur in der Geschichte des Unternehmens, das in der Vergangenheit versucht habe, sich still und heimlich zu verschlanken, hauptsächlich durch Nicht-Besetzung offener Stellen oder Anreize für Frührentner. In den vergangenen Monaten sei jedoch die Gewinnmarge des Autobauers unter Druck geraten, da sich die Firma beeilt habe, neue spritsparende Technologien früher als die Wettbewerber einzusetzen; außerdem habe der schwache Dollar dem Autohersteller zugesetzt – in den USA setzten die Deutsche 22 Prozent ihrer Autos ab.

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