Presseschau vom 24.9.2007
Rückzug der Titanen

Die internationale Wirtschaftspresse beschäftigt sich mit der Zäsur in der Erfolgsgeschichte von Beteiligungsgesellschaften: Erstmals seit ihrem Aufstieg vor zwei Jahren ist ein bereits vereinbartes Milliardengeschäft – die Übernahme von Harman – geplatzt. Fortune feiert die „Geheimwaffe“ von T-Mobile USA – und Les Echos stellt klar: Frankreich ist nicht Argentinien.

Laut » Washinton Post haben Kohlberg Kravis Roberts und Goldman Sachs gegen Zahlung einer Gebühr von 225 Millionen Dollar die Acht-Milliarden-Dollar-Übernahme des US-Elektronikkonzerns Harman International Industries abgeblasen. Sollte Harman weiter um den Deal kämpfen wollen, ende dies zwangsläufig vor Gericht, vermutet die Washington Post – dann trete der 88-jährige Sidney Harman gegen zwei der größten Titanen der Wall Street an. Unabhängig von der Entscheidung über ein juristisches Procedere müssten die Titanen um ihren guten Ruf bangen, weil abgeblasene Geschäfte schädlich fürs Image seien.

Das » Wall Street Journal identifiziert Gewinner und Verlierer des gescheiterten Deals. Profitieren könne besonders Blackstone-Chef Stephen Schwarzman, der nach seinem erfolgreichen Börsengang genüsslich mitansehen könne, wie sich sein Rivale KKR auf das Erste öffentliche Angebot an der Börse vorbereitet. Der größte Verlierer sei Harman-Gründer Sidney Harman, der bereuen müsse, sich jemals mit KKR an den Verhandlungstisch gesetzt zu haben. Harman habe ursprünglich gar nicht verkaufen wollen und noch während der Verhandlungen böse Vorahnungen gehabt. Jetzt müsse er den Absturz der Harman-Aktie um 24 Prozent allein am Freitag vergangener Woche verkraften.

„Harman steht als eine Zäsur, als Symbol dafür, dass die Zeit immer größerer, oft völlig überteuerter Firmenkäufe vorüber ist“, kommentiert die » Financial Times Deutschland . Die Vertrauens- und Liquiditätskrise am Finanzmarkt stoppe den Übernahmeboom auf absehbare Zeit. Diesen Trend begrüßt die FTD, denn so manche Großübernahme habe während der vergangenen Jahre eine „tiefere industrielle Logik“ vermissen lassen. „Getrieben waren die Institute zunehmend davon, für enorme Kapitalsummen überhaupt lukrative Anlageziele zu finden. Nun besteht die Chance, dass wieder mehr unternehmerische Rationalität ins Spiel kommt – auch wenn Harman das in diesem Fall nichts nützt.“

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