Presseschau vom 25.10.2007
Abstieg eines Superstars

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Krise bei Merrill Lynch. Fortune sieht Renault-Nissan-Boss Carlos Ghosn zudem noch lange nicht am Ziel. Das Wall Street Journal meldet außerdem Zweifel am Einstieg von Microsoft bei Facebook an. Und Expansión rät China vom Perestroika-Harakiri ab. Fundstück: Mit Bläschen-Fetisch Millionen scheffeln.
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Nachdem die Bank nach Abschreibungen von acht Milliarden Dollar erstmals seit sechs Jahren einen Quartalsverlust von netto 2,3 Miliarden Dollar vermelden musste, zweifelt die » New York Times an den Lehren, die Merrill Lynch angeblich aus dem schlechten Quartal gezogen hat. Die von Banken-Chef Stanley O'Neal ins Feld geführte Neuaufstellung im Bereich Risikomanagement sei insofern fragwürdig, als die neu eingerichtete Position des Chief Risk Officer (Ed Moriarty) schon im September angekündigt worden sei. Damals habe die Bank angegeben, dass sie Abschreibungen in Höhe von fünf Milliarden Dollar vornehme – seitdem seien die Abschreibungen allerdings auf 7,9 Milliarden gewachsen.

„Das Auffällige ist, dass die anderen Geschäftsbereiche von Merrill eine gute Leistung gezeigt haben – aber Investoren und Analysten hat das nicht interessiert“, schreibt die » Business Week. Diese rechneten jetzt damit, dass sowohl von Merrill als auch von anderen Banken weitere Hiobsbotschaften überbracht werden könnten. „Es ist schwierig zu glauben, dass Merrill eine Ausnahme ist“, zitiert die Zeitung den Analysten Ho Su Lian von Daiwa Securities. „Dies könnte der Anfang einer längeren Phase der Abrechnung mit Merrill und anderen Banken werden, die in die Kreditkrise verstrickt sind“, schwarzmalt das Blatt.

Die » FAZ kommentiert den tiefen Fall von Banken-Chef Stan O’Neal, der einst „zu den Superstars und Top-Verdienern“ der Branche gezählt habe, jetzt aber eine Bauchlandung hinlege. „Auch andere Finanzhäuser wie Bear Stearns und Citigroup mussten Gewinneinbrüche hinnehmen. Aber nirgendwo sind die Auswirkungen so verheerend wie nun bei Merrill Lynch. Stan O’Neal selbst war es, der das riskante Hypothekengeschäft bei Merrill Lynch stark ausgebaut hat“, erinnern die Frankfurter. „In den vergangenen Wochen ist über eine Ablösung von Citigroup-Chef Charles Prince spekuliert worden. Diese Frage stellt sich nun mindestens so sehr bei Stan O’Neal.“

Microsoft steigt bei Facebook ein

Gestern hat Microsoft bekannt gegeben, 1,6 Prozent an der Internet-Community Facebook für 240 Millionen Dollar zu erwerben. Das » Wall Street Journal meldet Zweifel an. Die hohe Bewertung für Facebook – insgesamt 15 Milliarden Dollar – sei das jüngste Zeichen für die „Überschwänglichkeit im Silicon Valley im Verhältnis zu Internetfirmen mit vielen Nutzern – auch wenn die Nutzerzahlen bislang noch nicht in größere Umsätze übersetzt werden konnten.“ Außerdem erinnere der Trend an die Internetblase, die 2000 geplatzt sei. Gleichwohl sei Facebook für die Onlinewerbung eine große Chance, weil das Portal detaillierte Informationen über die Nutzer (Hobbies, Musikgeschmack, Wohnort, Alter, Geschlecht) sammele und so gezielte Anzeigen ermögliche. „Hinter dem Deal steckt auch die Befürchtung bei Microsoft, dass Soziale-Netzwerke-Seiten wie Facebook eines Tages für die Konsumenten das zentrale Fenster für den Zugang zum Netz werden könnten.“

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