Presseschau vom 25.9.2007
Kampf der Invaliden

Die internationale Wirtschaftspresse ist erstaunt über den Streik bei General Motors, bei dem für beide Seiten viel auf dem Spiel stehe. Die Herald Tribune hat keine Angst vor einem starken Euro. Der Folha de Sao Paulo freut sich über den 33-sten Rekord an der brasilianischen Börse. China Daily kritisiert den hohen Stromverbrauch der Wirtschaft. Fundstück: Auch in Moskau gibt?s jetzt Bionade.

Das » Wall Street Journal wundert sich, dass die GM-Aktie nach der Ankündigung des Streiks eine Zeitlang angestiegen ist. "Die Wall Street glaubt offenbar, GM sollte besser gar keine Autos bauen, sollte ein Streik dazu beitragen, die Arbeitskosten zu rationalisieren", vermutet das Blatt. An den Problemen der drei großen Autobauer aus Detroit seien sowohl die Managements als auch die Gewerkschaft Schuld, "die die Probleme kommen sah, aber ihnen nichts entgegnete." Die "große Tragödie" sei, dass beide Seiten nicht schon vor 20 Jahren die "harten Entscheidungen" getroffen und so zehntausende Jobs gerettet hätten.

Die » Financial Times erinnert der Streit an "zwei Invalide, die mit ihren Krücken aufeinander eindreschen": Weder die US-Autoindustrie noch die Gewerkschaft könne einen Kampf lange aushalten. Die UAW sei in der schwierigen Position, sowohl die Forderungen des großen Lagers seiner schon pensionierten als auch der noch aktiven Mitgliedern erfüllen zu müssen. "Ein kurzer Streik könnte ein Weg sein, den Gewerkschaftsmitgliedern einen möglichen Abschluss schmackhaft zu machen", vermutet die FT.

Für die » Wirtschaftswoche kommt die Eskalation des Tarifstreits überraschend, "da führende US-Medien am Wochenende übereinstimmend berichtet hatten, die zentrale Frage der Finanzierung der Krankheitskosten von GM-Pensionären sei inzwischen gelöst." Doch offensichtlich habe in letzter Sekunde in den Tarifgesprächen keine Einigung erzielt werden können. Für den US-Autobauer sei dies eine schlechte Nachricht: Nach einem Rekordminus von 12,4 Milliarden Dollar im Jahr 2005 befinde sich GM zwar auf dem Weg der Besserung. Im weltgrößten Automarkt USA schreibe der Opel-Mutterkonzern aber nach wie vor hohe Verluste. "Durch einen rückläufigen Heimatmarkt und hausgemachte Fehler in der Modellpolitik könnte sich die Krise in den nächsten Monaten weiter verschärfen."

Krise an den Kreditmärkten

Die französische » Libération unterhält sich mit dem US-Ökonom James Galbraith über die Krise an den Finanzmärkten, die entgegen der Beschwichtigungen von Finanzpolitikern immer noch nicht beigelegt sei. "Das ist erst der Anfang einer Bankenkrise", versichert Galbraith, der sogar eine Weltwirtschaftskrise für möglich hält. Der Absturz der Immobilienmärkte, die Kaufzurückhaltung sowie möglicherweise auch die Beschäftigungszahlen seien Indizien dafür. Dass die Finanzauguren von "sicheren Fundamenten" und "erfolgreichen Unternehmen" sprächen, erinnere an die Zeit vor der Weltwirtschaftskrise von 1929. In den zwanziger Jahren sei beispielsweise die industrielle Produktion in den USA um 50 Prozent gewachsen, weshalb die Politiker im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise ebenfalls einen "Diskurs über das Vertrauen, das Wachstum und den anhaltenden Wohlstand" geführt hätten. Laut Galbraith ähneln die Zyklen westlicher Wirtschaften seit 1995 denen zwischen 1921 und 1929.

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