Presseschau vom 26.10.2007
Gier und Gruscheln

Im M&A-Bereich ist die Beteiligung von Microsoft an Facebook zwar nur eine kleine Hausnummer, für die internationale Wirtschaftspresse bleibt sie aber das Top-Thema. Die Londoner Times moniert die mangelnde Selbstkritik der Bank of England. Die Japan Times begrüßt Nissan in „Second Life“. Fundstück: Gebiss über Bord – die Versicherung zahlt.

» Fortune legt das Augenmerk bewusst nicht auf die „außerordentliche 15-Milliarden-Dollar-Bewertung“ von Facebook. „Es gibt nämlich Gründe jenseits von Preis und Gier, die für einen Zusammenschluss von Facebook mit Microsoft sprechen“, so die Zeitschrift. So wolle Facebook eine Software-Plattform für Web-Anwendungen werden – Microsoft kenne das Geschäft in- und auswendig und sei in der Lage, unabhängige Software-Entwickler zu unterstützen. Google habe demgegenüber kaum Erfahrungen im Umgang mit unabhängigen Entwicklern.

Facebook sei zwar „kein windiges Start-Up“ und müsse sich schon sehr ungeschickt anstellen, um bei einer monatlichen weltweiten Nutzerschaft von 73 Millionen Menschen und einer Wachstumsrate von 420 Prozent seit September 2006 kurzfristig keinen Profit zu machen, schreibt die » Financial Times Deutschland. „Aber der Preis scheint dennoch hoch: Der Konzern hat viel Geld für eine winzige Beteiligung an Facebook bezahlt – im Austausch gegen das Recht, auf der unprofitablen Website Werbung für die schnell wachsende Nutzerschaft zu platzieren.“ Niemand wisse, ob das Online-Kontakten – englisch „to poke“, im Deutschen vom Facebook-Nachbau StudiVZ mit „Gruscheln“ übersetzt – eine Dienstleistung sei, die auch in zehn Jahren noch nachgefragt werde.“

» Business Week glaubt, dass der Deal für Microsoft wichtiger sei als für Facebook, „weil der Software-Gigant Google bei den Onlinewerbeumsätzen bislang hinterhergehinkt ist.“ Am Ende komme es bei dem Deal vielleicht eher darauf an, „Glaubwürdigkeit zu gewinnen, statt die Märkte neu zu definieren. Facebook erhält einen riesengroße Bewertung, während Microsoft sein Standing als Web-Macht verbessert.“

Für die » FAZ ist der Wert von Facebook „irrsinnig“. "Das blutjunge Unternehmen Facebook macht heute kaum Umsätze, und auch die künftigen Aussichten sind unsicher.“ Die 15 Milliarden Dollar, die Microsoft ansetze, seien daher schwer zu rechtfertigen. Dies mache den Einstieg von Microsoft aber nicht zu einem Fehler. „Microsoft hat gigantische Barvorräte, die Investition in Facebook ist im Verhältnis dazu fast vernachlässigbar. Facebook hat seinen wirtschaftlichen Erfolg noch nicht unter Beweis gestellt, ist aber verheißungsvoll genug. Wenn die Wette nicht aufgeht, kann Microsoft das spielend verschmerzen.“

„Jetzt sieht die Situation für den Rivalen von Microsoft und Google, also Yahoo, aussichtslos aus“, schreibt der » Economist. Yahoo sei im Übernahmespiel von allen ausmanövriert worden. Gegenüber Google verliere Yahoo bei der Internetsuche und der Onlinewerbung an Boden, im Wettbewerb mit Microsoft habe Yahoo den Nachteil, sich auf keine Erlöse durch Software-Lizenzen stützen zu können. In der vergangenen Woche habe Yahoo das eigene Soziale Netzwerk „Yahoo 360°“ geschlossen – keiner habe es bemerkt.

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