Presseschau vom 26.11.2007
Angst vor dem großen Knall

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Folgen der Dollar-Schwäche. Der Economist besichtigt die Baustellen bei Airbus und die Japan Times zweifelt am Erfolg einer höheren Ölproduktion. Die Times beobachtet den neuen Angriff des Aktionärsaktivisten Eric Knight und die New York Times sinniert über Steuervergünstigungen für französische Winterschläfer.

Der Spiegel sieht im Absturz des Dollars den „Fall der Wirtschaftsweltmacht Amerika“: „Jahrelang waren die Amerikaner die Financiers der Welt. Heute sind sie die größten Schuldner – und die Asiaten in der Position, die Bank für Amerika zu spielen.“ Seit Jahren warnten Ökonomen und Politiker davor, dass es zum „großen Knall“ komme. „Jetzt, so scheint es, ist die Zeit reif dafür“, warnt der Spiegel. Mit Blick in die Zukunft erkennt das Magazin drei Szenarien: Im positiven Fall verlangsame sich der Dollar-Verfall. Oder die Subprime-Krise erfasse sogar die Konsumentenkredite. Folge: Ein „weit kräftigerer Dollar-Rutsch“ erschüttere die Börsen und hinterlasse auch in Deutschland großen Schaden. Im schlimmsten Fall mache sich bei jenen Ländern, die in den vergangenen Jahren „immense Mengen“ der US-Währung angehäuft hätten, die „Angst vor einem permanenten Verfall der Werte“ breit. „Dann, und das ist das Horrorszenario, folgt ein Dollar-Crash, und mit der US-Währung würden dann auch die internationalen Finanzmärkte einbrechen. Dann steckt die globalisierte Welt in einer Weltwirtschaftskrise.“

Die » Seattle Times nimmt die angeschlagene US-Währung in Schutz: „Der US-Dollar ist noch im Zentrum des weltweiten Finanzsystems.“ Diese Realität sei durch Kommentatoren verloren gegangen, die sich über den Wertverlust des Dollars beklagt hätten, besonders im Vergleich zum Euro. Trotzdem dominiere der Dollar weiterhin auf ausländischen Märkten, während das US-Finanzsystem das „weltweit tiefste und flüssigste“ sei. „Und dieses Land ist absolut führend, da ausländische Firmen im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von über 2,2 Milliarden Dollar angeboten haben“, betont das Blatt.

Die Wirtschaftswoche bilanziert den Wertanstieg des Euro, der seit seinem Allzeittief im Oktober 2000 rund 80 Prozent an Wert gewonnen habe. Dadurch werde „die globale Währungsarchitektur“ mittelfristig durcheinandergewirbelt. Aufgeschreckt vom Dollar-Verfall schichteten derzeit wichtige Player der Weltwirtschaft wie Saudi-Arabien, China und Russland Teile ihrer Devisenbestände von Dollar in Euro um. Der Euro-Anteil an den weltweiten Währungsreserven sei nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds von 17,9 Prozent im Jahr 1999 auf über 25 Prozent gestiegen. In Euroland bremse die starke Währung die Importpreise und federe die „explodierenden Öl- und Benzinnotierungen“ ab.

Seite 1:

Angst vor dem großen Knall

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%