Presseschau vom 27.3.2008
Tata triumphiert

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Verkauf der Jaguar/Land Rover-Sparte an Tata Motors. Die Zeit vermisst Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft, und die Washington Post räumt Russlands Präsidenten Dimitrij Medwedew Erfolgschancen ein. Fundstück: Carla ist käuflich.

Die Londoner » Times bewertet den Erwerb der urbritischen Automarken Jaguar und Land Rover durch Tata Motors für 2,3 Milliarden Dollar – ebensoviel soll der indische Konzern planen, zu investieren – mehr als positiv. „Das sind für beide Arbeitsmärkte, den britischen und den indischen, großartige Neuigkeiten, auch deshalb, weil Jobs und Pensionsansprüche gesichert sind.“ Zwar sei es richtig, dass nun kaum etwas von der britischen Autoindustrie im Land übrig sei, „doch die Marken, die ebenfalls in ausländischen Händen sind und noch hier vor Ort gefertigt werden, sind erfolgreich.“ Für eine Nobelmarke wie Jaguar sei der Übergang in indische Hände sicher nicht das Ende.

Der Umstand, dass ausgerechnet die beiden „Kronjuwelen“ der britischen Autoindustrie an einen Konkurrenten gehen, der aus einer ehemaligen Kolonie des „British Empire“ stammt, sei pikant. Doch die Gelassenheit der Briten, so die » FAZ, zeige einmal mehr, dass sich ihre einstige Schlüsselbranche heute mit der Rolle begnüge, im Zuge der weltweiten Arbeitsteilung die verlängerte Werkbank der Massenhersteller zu sein. Denn auch wenn britische Politiker ihre Autobauer weiterhin großzügig unterstützten, werde die Bedeutung des Autostandortes Großbritannien schwinden. Gründe dafür seien die im Vergleich zu kostengünstigen Standorten in Osteuropa hohen Kosten für den Transport, die Wechselkurs-Risiken sowie der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

„Ratan Tata hat Kritikern, die Tata Motors gern als ‚Mühlenstein am Hals der Tata-Firmengruppe‘ bezeichnen, Lügen gestraft“, jubelt die » Economic Times aus Indien. Nach der Übernahme des Stahlriesen Corus im letzten Jahr, werde der Konzern mit der Akquisition von Jaguar/Land Rover endgültig zu einem „Global Player“, mit dem künftig zu rechnen sei.

Der » Business Standard, ebenfalls aus Indien, glaubt dagegen, dass es lange dauern wird, bis sich der Kauf für Tata Motors bezahlt macht. „So viel Geld werfen Jaguar/Land Rover nicht ab, und selbst Ford hatte große Mühe, mit der Sparte einigermaßen zurecht zu kommen – auch weil die Gewerkschaften großen Einfluss haben.“ Land Rover sei dabei noch ein guter Deal, aber Jaguar könnte die Finanzen des Konzerns arg strapazieren. „Die Übernahme wird die Bilanzen belasten und der dafür aufgenommene Kredit in Höhe von drei Milliarden Dollar die Zinslast drastisch erhöhen“, gibt das Blatt zu bedenken.

» Economie Matin aus Frankreich weiß zu berichten, dass Analysten die Übernahme durchaus kritisch bewerten. „Der Deal ist riskant, weil Tata Motors über keine Erfahrung mit Fahrzeugen der Luxusklasse verfügt.“ Zudem schüre der aktuelle wirtschaftliche Abschwung nicht gerade die Hoffnung, dass die noblen Modelle demnächst reißenden Absatz finden. Dennoch glaubt das Blatt, dass der Deal für Tata Motors nur der Auftakt ist – zu weiteren Übernahmen.

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