Presseschau vom 27.6.2008
Bye-bye, Bill

Die internationale Wirtschaftspresse verabschiedet Bill Gates an dessen letztem Arbeitstag bei Microsoft. Die NZZ analysiert, wie sich Banken mit dem IPO ihrer Börsen ausgetrickst haben. Die Times begrüßt den Einstieg staatlicher Fonds bei westlichen Unternehmen. Die Asia Times untersucht den Kreditkarten-Boom in China. Fundstück: Die Lücken auf Obamas iPod.
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Bill Gates hat heute seinen letzten Arbeitstag bei Microsoft. Die Welt fürchtet, dass der Software-Konzern ohne Gates demnächst ein Problem haben könnte: Eine neue Führungspersönlichkeit seines Kalibers sei nicht in Sicht. Während die wichtigen Konkurrenten aus der Technologiebranche jeweils mit einem Gesicht in Verbindung gebracht würden – Apple etwa mit Steve Jobs –, habe Gates seine Macht auf drei Männer aufgeteilt: Finanzchef Steve Ballmer, Softwarespezialist Ray Ozzie und den Forschergeist Craig Mundie. „Ein Gates-loses Microsoft ist ein Microsoft ohne Richtung, zumindest kurzfristig. Die momentane Führungsebene ist zu stark ihrem altmodischen Denken verhaftet, um den Tanker flexibel lenken zu können“, zitiert das Blatt die Microsoft-Expertin Mary Jo Foley („Microsoft 2.0: Wie Microsoft versucht, in der Ära nach Bill Gates relevant zu bleiben“).

Der Economist listet die Schwachstellen von Microsoft auf: Das Betriebssystem Windows sei so schwer geworden, dass es unter seinem eigenen Gewicht zerdrückt werde; Microsoft habe große Schwierigkeiten, beim Wettlauf mit dem Hauptrivalen Google mitzuhalten; die bislang gescheiterte Übernahme von Yahoo habe nicht dazu beigetragen, die Aktionäre zu beruhigen – das Papier von Microsoft entwickele sich schlechter als der Branchenschnitt; schließlich kämpfe der Konzern gegen die eigene Fragmentierung: In 33 Jahren sei das Unternehmen auf fast 90.000 Mitarbeiter angeschwollen, der Umsatz 2008 liege voraussichtlich bei über 60 Milliarden Dollar, die Firma verkaufe über 75 verschiedene Produkte. Wichtigstes Ziel der Zukunft sei, der wichtigste Akteur in der Ära des „Cloud Computing“ zu werden, noch vor Google.

„Danke, lieber Bill Gates, für das Monopol, das Microsoft unter Ihrer Führung errichtet hat“, schreibt die Financial Times Deutschland . Die „segensreichen Folgen langer Jahre der Software-Monokultur“ wögen schwerer als der Schaden durch schlampig programmierte, überfrachtete Programme und überhöhte Monopolpreise bei Microsoft. „Bevor es Microsoft gab, waren Computer so teuer wie ein Einfamilienhaus. (...) Alles das ist überholt. Computer sind billiger als Fahrräder, auf ihnen läuft eine bunte Vielfalt von Programmen, viele davon kostenlos. Ein paar helle Köpfe mit guten Ideen und eiserner Disziplin können dank genau dieser Kombination – billige Rechner, kostenlose Software – in ein paar Jahren eine Weltmacht wie Google aus dem Boden stampfen.“

Les Echos aus Frankreich glaubt, dass sich Gates von seinem Unternehmen verabschiedet, weil er eingesehen habe, dass sich Microsoft nur ohne ihn neu erfinden könne. Die frühere Innovationskraft von Microsoft liege längst bei der Suchmaschine Google, die ein geniales Geschäftsmodell entwickelt habe. "Die Ex-Firma von Bill Gates muss das Métier wechseln, ohne seine eierlegende Wollmilchsau zu töten. (...) Um wieder der Schnellste zu werden, ist Microsoft dazu verpflichtet, seinen Vater zu töten."

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