Presseschau vom 28.11.2007
Votum der Hoffnungslosigkeit

Die internationale Wirtschaftspresse ist wenig begeistert von der arabischen Finanzspritze für die Citigroup. Nach Einschätzung der Herald Tribune sind die chinesisch-europäischen Flitterwochen vorbei. Im Gespräch mit der New York Times kritisiert der Commerzbank-Chef die Salami-Taktik in der Subprime-Krise. Fundstück: Auch Jesus war kein Knuddeltierchen.

Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass Die Abu Dhabi Investment Authority (Adia) 7,5 Milliarden Dollar in die angeschlagene Citigroup investiert und im Gegenzug knapp fünf Prozent der Aktien erhält, erinnert das » Wall Street Journal an den „finanziellen Home-Run“ aus dem Jahr 1991, als Prinz Alwaleed bin Talal 590 Millionen Dollar in den Vorgänger der Bank, die Citicorp, investiert habe – der Anteil sei heute das Zehnfache wert. Ob Abu Dhabi an die „Magie des Prinzen“ anknüpfen könne, sei zweifelhaft – dies zeige sich bereits an den ersten Marktreaktionen, die wider Erwarten wenig enthusiastisch ausgefallen sei. „Die Tatsache, dass Alwaleed seinerseits nicht noch mehr Geld investiert, wirft die Frage auf, ob er für die Zukunft der Bank eine rauere See erwartet“, vermutet das Blatt.

Für den » Independent ist das Engagement der Araber kein Vertrauensvotum, sondern ein „Zeichen für den hoffnungslosen Zustand der größten US-Bank“. Besonders die Verzinsung der Wandelanleihe von elf Prozent, garantiert für die kommenden drei Jahre, zeige, wie verzweifelt die Großbank versuche, ihre Bilanzen auf Vordermann zu bringen. Mit Blick in die Zukunft vermutet die britische Zeitung, dass möglicherweise das Investment-Banking und Brokerage-Geschäft von der Retail-Sparte abgetrennt und die aktuellen Pläne zum Abbau von 17.000 Jobs noch verschärft werden könnten.

» Business Week porträtiert die Analystin, die den US-Finanzkonzern beinahe im Alleingang „in den Grundfesten erschüttert“ habe: Meredith Whitney, Aktien-Analystin bei CIBC World Markets. Dass Whitney in diesem Jahr vermutlich keine Weihnachtskarte von Ex-Citi-Chef Charles Prince erhalte, liege an ihrem Report vom 31. Oktober. Tenor: Das ohnehin wegen seines schwächelnden Aktienkurses unter Beschuss geratene Institut sei trotz seiner riesigen Größe unterkapitalisiert; Whitney stufte die Citi-Aktie mit „Underperform“ ein, gleichbedeutend mit „verkaufen“. Der Report, schreibt das Blatt, sei „mit der Kraft eines Güterzugs in eine Backsteinmauer eingeschlagen“: Die Aktie sei am Tag darauf um sieben Prozent eingebrochen, da Analysten von Morgan Stanley und Credit Suisse der Zurückstufung gefolgt seien. Drei Tage später sei Citi-CEO Prince zurückgetreten. Seitdem habe Whitney mehrere Morddrohungen erhalten. Ihre lakonische Reaktion: „Manchmal ist es gut zu wissen, dass man einen Nerv getroffen hat.“

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