Presseschau vom 28.4.2008
Aktionismus und Hysterie

Kein populistisches Spiel mit Freihandel

Die » New York Times warnt die Präsidentschaftskandidaten davor, Freihandel und Handelsabkommen für die Probleme der US-Wirtschaft verantwortlich zu machen. „Viele Amerikaner profitieren vom Handel, weil sie preiswerte Importprodukte kaufen bzw. ihre Produkte exportieren können.“ Zudem zeigten aktuelle Studien, dass Arbeitslosigkeit, stagnierende Löhne oder die immer größere Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen u. a. auf einen Mangel an Fachkräften zurückzuführen sei: „Die Zahl der Hochschulabschlüsse geht derzeit zurück, weil die Kosten für den Besuch eines Colleges steigen.“ Auch die unangemessenen Managergehälter und die Exzesse am Finanzmarkt seien Ursachen für die schlechte Lage der amerikanischen Arbeiter. „Die Kandidaten sollten ihre Wähler ernst nehmen und ihnen erklären, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert.“

Spaniens Immobilienblase platzt

Die » Tageszeitung aus Berlin untersucht die Ursachen für den Zusammenbruch des spanischen Immobilienmarktes. „Der Grund ist einfach. Nirgendwo in Europa hat der Bausektor im letzten Jahrzehnt so geboomt wie in Spanien. Die Wohnungspreise stiegen bis zu 500 Prozent.“ In der Folge sei ein Teufelskreis aus großzügiger Kreditvergabe, horrenden Verschuldungen, Preisverfall und steigender Arbeitslosigkeit in Gang gesetzt worden, der nun die Immobilienblase habe platzen lassen. Insbesondere die Banken treffe Schuld: „Zwar gibt es in Spanien keine Risikohypotheken wie in den USA, doch war die Politik der Banken bei der Kreditvergabe alles andere als rigoros. Viele Geldinstitute finanzieren Wohnungen ohne Anzahlung. Eine Bescheinigung über Schwarzeinkünfte wurde als Ergänzung zum Lohnzettel akzeptiert. Hatten die Hypotheken vor zehn Jahren noch eine Laufzeit von maximal 25 Jahren, sind es mittlerweile bis zu 50 Jahren. Jetzt rächt sich diese Politik.“

TUI-Chef Frenzel gerät mehr und mehr unter Druck

Die » Welt glaubt, dass der TUI AG ein „beispielloser Machtkampf“ bevor steht, denn der Investor und Reeder John Fredriksen treibe TUI-Chef Michael Frenzel Schritt für Schritt in die Enge. Zuerst habe der Norweger die Pläne für eine Verschmelzung auf die Tochter Hapag-Lloyd durchkreuzt, dann zwei Sitze im Aufsichtsrat beansprucht, und nun fordere er in einem Schreiben an die Aktionäre, dass Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Krumnow geht. Fredriksen habe gute Chancen: Die TUI-Bilanz sei aus Sicht vieler Aktionäre miserabel, Frenzel stehe seit Jahren in der Kritik. Deshalb sei es wahrscheinlich, dass Fredriksen mit sympathisierenden Investoren zumindest eine Sperrminorität zustande bringe. „Das würde es Frenzel unmöglich machen, geplante Kapitalmaßnahmen auf der Hauptversammlung durchzudrücken.“ Deshalb werde Frenzel Fredriksen entgegenkommen müssen. Fazit: „Was sich derzeit um den Touristik- und Reederei-Konzern abspielt, ist ein Novum in der Geschichte der großen deutschen Konzerne.“

Eine Welt-Agrar-Bank macht Sinn

Die » Economic Times aus Indien erörtert die Idee zur Gründung einer Welt-Agrar-Bank (WAB). Zwar gebe es für Staaten in finanziellen Schwierigkeiten Institutionen, die Hilfe leisten, wie z.B. den IWF. Doch was mache ein Land, das ein Nahrungsmittelproblem hat? Im Moment gebe es kaum einen Ausweg, wenn Nahrungsmittel-Knappheit herrsche und Importe aus finanziellen Gründen nicht möglich seien. Hier könne die WAB Sinn machen. Dazu müsse es einen Pool von Mitgliedsländern geben, die sowohl Kapital als auch Saatgut verschiedener Agrarprodukte einbringen, auf das im Fall einer Krise zurückgegriffen werden kann. Die Bank sollte auch eine Reserve solcher Produkte anlegen, die normalerweise Preisschwankungen unterliegen. Außerdem könne die Bank selbst Anbau betreiben, um eigene Überschüsse zu erzeugen. Die Schaffung einer Institution wie der WAB sei also „zwingend erforderlich“, da Globalisierung und Nahrungsmittelknappheit einander häufiger bedingen.

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