Presseschau vom 28.4.2008
Aktionismus und Hysterie

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die gegensätzlichen Strategien von US-Notenbank (Fed) und Europäischer Zentralbank (EZB) und fragt sich, welche Erfolg versprechender ist. Die Economic Times aus Indien plädiert für eine Welt-Agrar-Bank. Der Sydney Morning Herald erklärt, warum Murdoch in China scheitern musste. Fundstück: Fritten für alle!

„Nie zuvor setzten die Notenbanken der USA und Europas auf so unterschiedliche Strategien, um einer Finanzkrise Herr zu werden“, konstatiert der Spiegel in seiner heutigen Ausgabe – und führt dies auf konträre Denkschulen in Europa und Amerika zurück. Während die EZB Ruhe bewahrt habe und die Leitzinsen unverändert beließ, habe die Fed Aktionismus bis an den Rand der Hysterie betrieben und stehe nun angeschlagen da. „Die Neigung zur Sprunghaftigkeit lässt Preise und Wirtschaftswachstum in den USA heftiger ausschlagen als in Kontinentaleuropa. Umgekehrt zwingen die Schwankungen die Fed dazu, häufiger einzugreifen.“ Die Europäer ließen es dagegen gemächlicher angehen: „Ihre Politik der ruhigen Hand dämpft die Ausschläge der Inflationsrate – allerdings auch die des Wirtschaftswachstums. Ihnen ist der stetige Anstieg lieber als eine Berg-und-Tal-Fahrt nach amerikanischem Muster. Bislang zumindest fahren sie nicht schlecht damit.“

Die » FAZ rechnet dagegen damit, dass die Fed zwar den Leitzins erneut senken wird – um einen Viertelprozentpunkt auf 2 Prozent – , aber für den Rest des Jahres eine ruhige Hand bewahrt. Zwei Gründe nennt die Zeitung: Zum einen wollten Ben Bernanke und seine Kollegen erst einmal abwarten, ob die kräftigen Zinssenkungen der vergangenen Monate der Konjunktur den gewünschten Schwung verleihen. Zum anderen wollten sie verhindern, dass sich die Inflationserwartungen der Öffentlichkeit und insbesondere auch der Finanzmarktakteure von ihrer Verankerung auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau lösen.

» Forbes fordert die Fed auf, ihre Politik radikal zu überdenken. „Die bisherigen Aktionen haben keine Effekte gehabt, weder auf die Kreditvergabe der Banken, noch auf den Konsum, noch auf die Inflationsrate“, stellt das Magazin nüchtern fest. Das Grundproblem liege in den Strukturen des Finanzmarktes: „Ben Bernanke wird die Antworten nicht in Wirtschaftsbüchern finden. Er muss zusätzlich zur Anpassung der Zinssätze Großbanken und Finanzinvestoren dazu bringen, dass sie einfachere, transparentere Sicherheiten für die Kreditvergabe definieren, die von Rating-Agenturen besser evaluiert werden können.“ Auch das Tabuthema der Aufwertung des Dollar müsse endlich angegangen werden.

Frankreich sieht eher bei der EZB Handlungsbedarf. Wie » La Tribune berichtet, sind der französischen Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde die Differenzen zwischen Fed und EZB mittlerweile zu groß, eine von beiden Notenbanken müsse sich mit ihrer Politik der anderen annähern. Dabei solle die EZB endlich von ihrer sturen Haltung, die Zinsen wegen der hohen Inflationsrate hoch zu halten, abrücken. „Es dürfte inzwischen Einigkeit in Europa darüber herrschen, dass der Euro zu rasch zu stark geworden ist. Wir müssen endlich etwas für das Wirtschaftswachstum tun.“

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