Presseschau vom 29.10.2007
"Kollektive Wutausbrüche"

Die internationale Wirtschaftspresse verabschiedet Stanley O‘Neal von der Spitze der US-Investmentbank Merril Lynch. Die New York Times studiert die jungen Frühreichen aus dem Silicon Valley. Die Wirtschaftswoche erwartet die Zerschlagung von VW. Der Economist staunt über Leo Kirch. Fundstück: Warum Stockenten mehr Geld einbringen als Waldhühner.

Das » Wall Street Journal meldet, dass sich Merrill Lynch-Boss Stanley O’Neal von der Spitze der US-Investmentbank verabschiedet. Seitdem O’Neal hinter dem Rücken des Board erste Gespräche über ein Zusammengehen mit der Geschäftsbank Wachovia geführt habe, suche der darüber erzürnte Verwaltungsrat bereits nach einem Nachfolger.

Gute Chancen für die Nachfolge hätten der Vorstandsvorsitzende des Vermögensverwalters BlackRock, Laurence Fink, sowie Merril-Vizepräsident Gregory Fleming. Denkbar sei auch, dass sich beide Kandidaten künftig die Macht teilten oder dass zunächst eine Übergangslösung gesucht werde, bevor das Board seine endgültige Personalentscheidung treffe. Sollte Fink seine Nachfolge antreten, sei dies für O’Neal besonders bitter, schließlich habe er selbst federführend den Tausch von Merrils Asset-Management-Zweig gegen eine 49-prozentige Beteiligung an BlackRock eingefädelt, schreibt die Zeitung.

Die » International Herald Tribune blickt zurück auf die sechsjährige Amtszeit von O'Neal, die „voller Widersprüche“ gewesen sei. „O'Neal (...) war ein Einzelgänger in einer Branche, die von Beziehungen lebt. Und er manövrierte Merril in riskante Investments trotz seiner Erfahrungen als Chief Financial Officer, als er das Risikomanagement verantworten musste.“ Der Niedergang von O’Neal sei bemerkenswert angesichts seines Tempos und seiner Heftigkeit, „und er unterstreicht, dass selbst höchstbezahlte Chefs mit handverlesenem Verwaltungsrat nicht immun sind gegen den kollektiven Wutausbrüchen von Investoren und Mitarbeitern.“ Der Fall von O’Neal sei außerdem eine Erinnerung daran, wie gefährlich es sei, mit der Firmenkultur zu brechen.

Die»  Financial Times hat recherchiert, dass O’Neals Ablösung besonders durch Armando Codina, einen kubanisch-amerikanischen Geschäftsmann, forciert wurde, dessen Familie der von US-Präsident George W. Bush nahe stehe und der seit zwei Jahren dem Board von Merrill angehöre. Als Kandidat mit den besten Chancen kürt die Financial Times ebenfalls Larry Fink, Chef der Asset-Management-Firma BlackRock.

» Forbes fordert, dass nicht nur der Merril-Chef, sondern auch der Verwaltungsrat Konsequenzen ziehen müssen. Das Gremium habe die Gefahren im Geschäft mit Kreditderivaten nicht erkannt – Ende Juni, also bevor der Finanzmarkt implodiert sei, habe Merrill sein Engagement bei forderungsgedeckten Emissionen auf die Riesensumme von 32 Milliarden Dollar beziffert.

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