Presseschau vom 29.7.2008
Schluss mit Billig

Die internationale Wirtschaftspresse läutet das Ende der Ära der Billigflüge ein und zeichnet Zukunftsszenarios für die Branche. Die russischen Zeitungen RBKdaily und Gazeta.ru erklären, warum Mechel in die Schusslinie von Wladimir Putin geriet. Die Frankfurter Rundschau begrüßt das erste Urteil im Siemens-Prozess. Fundstück: Frankreich feiert den Sandwich-Sommer.
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"Das Ende der Ära der Billigflüge" ruft die Times aus London angesichts der jüngsten Meldungen über Verluste bei Ryanair und Ticketpreiserhöhungen aus. "Der dramatische Anstieg des Ölpreises wird zu einem radikalen Wandel in der Flugbranche führen: Die Tickets werden teurer, die Anzahl der Flüge wird sinken, und ein paar prominente Namen werden von der Flugkarte verschwinden", ist die Zeitung überzeugt. Das Billigflug-Konzept, vor 15 Jahren aus den USA importiert, habe das Reiseverhalten der Europäer nachhaltig verändert, Wochenendtrips seien erschwinglich geworden, die Buchungen von individuell zusammen gestellten Reisen über das Internet seien explodiert, der Trend zum Ferienhaus in Spanien und Frankreich habe zugenommen. Doch damit sei nun Schluss. "Nach Schätzungen von Analysten führen Ticketpreiserhöhungen um 10 Prozent zu einem Rückgang der Passagierzahlen um 6,5 Prozent", schreibt die Times. Die großen Billigfluganbieter würden nach Einschätzung von Experten dennoch überleben: "Problematisch wird es für Unternehmen in der Mitte. In ein paar Jahren wird die Branche vollkommen anders aussehen."

Die kleinlauten Töne des gewöhnlich großspurig auftretenden Ryanair-Chefs Michael O?Leary seien nur in eine Richtung zu deuten: "Der hohe Kerosinpreis hat das Geschäftsmodell der Billigflieger zerstört", meint auch die Financial Times Deutschland. Billigflieger wie Ryanair hätten sich stets darauf verlassen, dass ihr stürmisches Wachstum bei den Passagierzahlen steigende Kosten ausgleiche. Doch angesichts der stark eingetrübten Konjunktur in Europa könnten sie nicht mehr damit rechnen, dass auch Geringverdiener regelmäßig Wochenendtrips buchen. Ryanair, Easyjet & Co. bliebe nur eins, um ihre Passagierzahlen trotz kletternder Kosten und höherer Ticketpreise in einem weitgehend gesättigten Markt zu steigern: Sie müssten neue Kundenschichten gewinnen, etwa bei den Geschäftsreisenden. "Die Zeiten, in denen es sich für 19,99 Euro nach halb Europa fliegen ließ, sind vorbei." Wer sein Geschäftsmodell darauf aufgebaut habe, brauche jetzt mehr als einen Showman wie O?Leary an der Spitze.

Über eine neu heranwachsende Konkurrenz für Billigfluglinien berichtet der Sydney Morning Herald aus Australien: Anbieter von Reiseticket-Systemen. Führend für das Reisziel Europa sei z.B. die Firma Europebyair.com.au, die 2006/2007 einen Anstieg der verkauften Reisetickets um 110 Prozent registriert habe: "Anbieter wie Europebyair.com.au haben verschiedene Flugklassen im Programm, z.B. Kurzflüge für 129 Dollar, Mittelstreckenflüge für 149 Dollar und Langstreckenflüge für 169 Dollar. Sie kooperieren dabei weder mit Standard-Fluglinien wie British Airways oder Lufthansa noch mit Billigfluglinien wie Ryanair oder Easyjet, sondern mit Fluglinien aus der zweiten Reihe wie Brussels, Aegean oder Lithuanian." Europebyair.com.au kaufe ihnen Tickets für frei gebliebene Plätze zum Discountpreis ab - und könne so seinen Kunden preiswerte Flüge bei akzeptablen Fluglinien mit akzeptablem Service vermitteln. Ein großer Vorteil sei, dass Flughäfen der gängigen Metropolen angeflogen würden, und nicht kleine Flughäfen weitab. Die standardisierten Tickets seien obendrein vier Monate gültig und erlaubten ihren Inhabern Umbuchungen. Einziger Nachteil: Steuern und Gebühren müssten extra gezahlt werden. "Dennoch: Die Reiseticket-Systeme erfreuen sich seit drei Jahren wachsender Beliebtheit."

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