Presseschau vom 3.1.2008
Stiefmutter erobert die Welt

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den weltweiten Einfluss des Euro, der im Ausland hofiert, in der EU jedoch ängstlich toleriert werde. Das Wall Street Journal sieht die Liebe der US-Amerikaner zum Auto in Gefahr. Für den Tagesspiegel ist die Selbstzerfleischung ein Meister aus Deutschland. Fundstück: Veisalgia hilft bei akuter Unlust.

» Le Monde stimmt anlässlich des Beitritts von Malta und Zypern zur Eurozone ein Loblied auf die europäische Währung an. Seit 2004 sei der Euro die führende Währung auf den Anleihemärkten, er mache 25 Prozent aller offiziellen Reserven aus und stütze sich mittlerweile auf 22 Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt - die USA steuerten nur 27 Prozent bei. Selbst der Aufwertung des Euro könnten positive Seiten abgewonnen werden wie die Stärkung der Kaufkraft der Europäer gegenüber steigenden Verbraucherpreisen. Schließlich seien auch erste positive Effekte der Wirtschaftreformen und Bildungoffensiven in diversen Mitgliedsstaaten erkennbar. Dennoch ziehe die Eurozone noch nicht genug Nutzen aus ihrer "Weltwährung": "Europa betrachtet seine Wirtschaftspolitik noch immer durch die Brille der einzelnen, begrenzten Wirtschaftsräume seiner Mitgliedsstaaten. Wir müssen einen neuen Maßstab anlegen und als eine Wirtschaftsgröße auftreten, in Augenhöhe mit den USA, Japan oder China. Wir brauchen eine ?Diplomatie des Euro?, ähnlich der ?Diplomatie des Dollar?", fordert das Blatt. Dazu müsse der Dialog mit Blick auf die Wirtschaftspolitik unter den Mitgliedsstaaten verstärkt und die Arbeit der Regierungen besser koordiniert werden.

Aus Sicht des britischen » Indepedent ist der Triumph des Euro rätselhaft: Außerhalb der EU mache die Währung gegenüber des schwächelnden Dollars Boden gut und sei als "Jet-Set-Währung" in Mode, die zunehmend von Rap-Stars und Super-Models nachgefragt werde. Innerhalb der Eurozone bleibe der Euro eine "ängstlich tolerierte Stiefmutter". Konsumenten von Italien bis Deutschland glaubten, dass die Währung für die steigenden Inflationsraten verantwortlich sei. Für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sei der Euro ein "wirtschaftliches Desaster, ein Akt der Sabotage der US-Wirtschaft und ein Zeichen des Scheiterns der Europäischen Zentralbank", schreibt das britische Blatt.

"Die Attraktivität der Währungsunion und ihr stetiges Wachstum bringt gerade den Deutschen viele Vorteile", schreibt die » Süddeutsche Zeitung . Der hohe Wechselkurs zum Dollar begrenze die allgemeine Preissteigerung, die die Einkommen der Deutschen allein durch die "rekordteuren, in Dollar abgerechneten Ölimporte stärker anfressen" würde. Der starke Euro sei insofern ein Segen, als der Aufschwung - gefährdet durch Finanzkrise und US-Konjunkturdelle - durch den Euro stabilisiert werde. "Früher bremste sich ein Boom in Deutschland allein durch den eigenen Erfolg, weil eine aufwertende D-Mark die Exporte in viele Länder verringerte", vergleichen die Münchner.

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