Presseschau vom 3.6.2008
Absturz nach dem Höhenflug

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Lösungsansätzen für die von Pleiten bedrohte Luftfahrtindustrie. Das Wall Street Journal meint, dass Nicolas Sarkozy nicht in Shorts durch den Elysée-Palast laufen sollte. Die Korea Times verurteilt die Tatenlosigkeit der Regierung gegen Preiswucher. Fundstück: Mehr Marketing für fette Australier!
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Eine riesige Pleitewelle könne die Luftfahrtbranche erfassen, schreibt » Die Presse aus Österreich. Wie der Weltluftfahrtverband IATA, der 240 Fluglinien vertritt, auf seiner Jahresversammlung mitgeteilt habe, könnten die Fluglinien nach den letzten Umsatzrekorden nun 6,1 Mrd. Dollar Verlust einfliegen, sollte sich der Ölpreis auf dem jüngst erreichten Niveau von 135 Dollar je Barrel halten. Schuld seien die knappen Raffineriekapazitäten für Kerosin und die steigende Nachfrage aus China. „Das teure Kerosin wird die Gewinne in Luft auflösen – dort, wo es noch Gewinne gibt.“ Einige Unternehmen, darunter Air France/KLM, British Airways und Air Berlin, hätten Gewinnwarnungen ausgegeben, andere, die schon jetzt Verluste schreiben würden, stünden vor der Pleite. „Denn gegen die hohen Produktionskosten sind selbst Fusionen kein Allheilmittel.“ Damit werde die Konsolidierung in der Branche zwangsläufig beschleunigt.

Der » Guardian aus Großbritannien vermutet, dass die großen Luftfahrtunternehmen die gestiegenen Kosten durch den hohen Ölpreis bald auf die Kunden umlegen. So sei denkbar, dass Oneworld, zu dem u.a. British Airways und die australische Qantas gehörten, sich demnächst das Check-in fürs Gepäck oder das Essen an Bord extra honorieren ließen. „Zwanzig Pfund für einen Koffer, zehn Pfund für ein Essen“ halte z.B. ein Insider für möglich. Ohnehin wagten schon jetzt Wettbewerber wie Virgin Atlantic, Aufpreise für Kerosin zu verlangen: „Die Kunden werden sich daran gewöhnen müssen, dass Flugreisen langfristig teurer werden.“ Mit Preiserhöhungen für Flugtickets sollten die Fluggesellschaften allerdings vorsichtig umgehen: „Wenn die Ticketpreise zu stark steigen, könnten die Kunden sich weigern, überhaupt zu verreisen – und so die Fluglinien in noch größere Bedrängnis bringen“, warnt das Blatt.

Der » Seattle Post Intelligencer hat Scott Carson, Präsident und CEO bei Boeing für die Sparte Boeing Commercial Airplanes, zu den Folgen für Flugzeugbauer befragt. Carson glaubt, dass Boeing gut gerüstet sei, um die aktuelle Krise ohne große Verluste zu überstehen. Zwar hätten einige Fluglinien angekündigt, die Abnahme bestellter Flugzeuge nun hinauszuzögern, doch Boeing bleibe gelassen: „Diese Strukturen sind nicht neu für uns, wir haben uns seit langem darauf vorbereitet.“ Boeing werde auch in naher Zukunft seine Produktionsraten steigern, um die bestellten Flugzeuge pünktlich ausliefern zu können. Auch Airbus halte an seinen Produktionsplänen fest. Airbus-Verkaufschef John Leahy habe aber eingeräumt, er rechne damit, dass Kunden ihre Bestellungen stornieren – speziell für den A320.

Nach Informationen von » L’Expansion aus Frankreich denken Luftfahrtkonzerne wie Oneworld (American Airlines, British Airways, Qantas, Iberia) darüber nach, ihre Kerosinkäufe künftig zusammenzufassen, um die Preise für die einzelne Fluglinie zu senken. Auch der Ausbau von Kerosinvorräten in Zeiten günstigerer Preise sei eine Option. „In jedem Fall aber werden die Fluglinien die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Route überprüfen, unrentable Flüge streichen und Flugzeuge mit zu hohem Energieverbrauch aus der Flotte nehmen – selbst wenn das Risiko, die eigene Marktposition damit zu schwächen, groß ist“, prognostiziert das Blatt.

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