Presseschau vom 3.9.2007
Wenn drei Lenins sich streiten

Im Fokus der internationalen Presse steht die Rede des Fed-Chefs, der laut Wall Street Journal die Hoffnung der Anleger auf eine Leitzins-Senkung nährt, während die Washington Post seine Unklarheit feiert. Die NZZ registriert wenig Begeisterung über Dominique Strauss-Kahns IWF-Kandidatur. In der Moscow Times sorgt sich Lenin um Umsatz und Zar Nikolaus II.

Finanzmarktkrise

Obwohl der Fed-Chef explizit nur die Bereithaltung weiterer Liquidität in Aussicht gestellt hat, schreibt das » Wall Street Journal, dass Bernanke die Hoffnung von Anlegern auf eine Leitzinssenkung genährt habe. "Die Inflationsrisiken wurden bisher nicht besonders verringert, sie sind nur von Wachstumsrisiken überholt worden", zitiert das Blatt Brian Sack vom Forschungsinstitut Macroeconomic Advisers, der deshalb ebenfalls eine Zinssenkung zum nächsten Treffen der Fed-Banker im September erwarte. Richard Suttmeier, Analyst bei RightSide Advisors, rechne fest damit, dass ein Bärenmarkt beginnt - unabhängig davon, ob die Fed die Zinsen senkt oder nicht. Im kommenden Jahr, so Suttmeier, werde der Dow daher um über 20 Prozent einbrechen.

Auch » Forbes rechnet mit einer Leitzinssenkung, gleichwohl bleibe Bernankes Kurs ein "schwieriger Balance-Akt. Die Fed und Bernanke wollen die Krise lösen, ohne vor der Wall Street zu tief zu verneigen." So habe der Fed-Chef die Deutung seines nächsten Schritts den Kaffeesatz-Lesern überlassen.

Die » Washington Post feiert Bernanke gerade dafür, sich noch nicht festgelegt zu haben. Die Fed sei sich der Risiken der Finanzmarktkrise für die gesamte Wirtschaft bewusst und daher bereit, die Zinsen zu senken. Nachdem die US-Wirtschaft im zweiten Quartal jedoch um über vier Prozent gewachsen ist, sei Bernanke jedoch "nicht überzeugt, dass jetzt die richtige Zeit ist, die Wunden der Wall Street in einem frischen Cash-Strom zu waschen." Bernanke achte stattdessen derzeit besonders auf die langfristige Stabilität des Dollars.

Die FAZ rechnet damit, dass es nicht lange dauern wird, bis die Zentralbanken die Kreditkosten drastisch senken, um die Kredit- und Geldmengen noch weiter auszuweiten. Doch eine Zinssenkung werde nur kurzfristig Linderung verschaffen, die Krise lediglich in die Zukunft verschieben und "die Kosten ihrer künftigen Bereinigung unweigerlich ansteigen lassen", schreiben die Frankfurter. Fazit: "Zinssenkung ist die falsche Therapie."

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