Presseschau vom 30.10.2007
Wasser marsch zu Halloween

Die internationale Wirtschaftspresse ist gespalten angesichts der zu erwartenden Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed am morgigen Mittwoch. Der Independent sieht zudem die Barclays- und RBS-Bosse in der Bredouille. Für Fortune sind die Inder außerdem auf ihrer weltweiten Einkaufstour gegenüber den Chinesen im Vorteil. Fundstück: Handtücher gegen nackte Tatsachen.
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Die » International Herald Tribune spricht sich gegen eine erneute Leitzinssenkung durch die Fed am morgigen Mittwoch aus. „Mit Ausnahme der sich vertiefenden Probleme auf dem Immobilienmarkt zeigt die US-Wirtschaft eine erstaunliche Stärke und braucht keinen Schub für billigere Kredite.“ Statt auf die tatsächliche Situation der Wirtschaft zu reagieren, handele die Fed voraussichtlich präventiv, um die Möglichkeit eines Abschwungs zu verhindern. Die Herald Tribune hält es indes mit dem früheren Greenspan- und Bernanke-Berater Vincent Reinhart: „Die erste Lektion, die man als Feuerwehrmann lernt, ist, genügend Wasser mitzubringen. Die zweite lautet (...): Zu viel Wasser kann mehr beschädigen als das Feuer selbst.“

Nach Einschätzung der » Business Week findet die wichtigste Halloween-Party in diesem Jahr in Washington, der Zentrale der Federal Reserve, statt. „Wenn die Fed den Leitzins senkt, kann der Punsch serviert werden, und die Party geht ab. Wenn die Fed aber eine Zinssenkung verweigert und den Leitzins bei 4,75 Prozent belässt, wird die Party abrupt enden und der Aktienmarkt schlimme Kopfschmerzen bekommen“, ahnt das Blatt. Nach der Prognose der Business Week ist eine Leitzinssenkung am Mittwoch ebenso wahrscheinlich wie beim übernächsten Treffen am 11. Dezember. „Aber die Fed wird das nicht gerne tun. Ben Bernanke & Co. sind grimmige Gastgeber, die den Punsch mit einem verkniffenen Gesicht ausschenken werden.“

Auch die » Financial Times Deutschland rechnet fest mit einer Zinssenkung. Amerikas Notenbanker hätten kaum eine Wahl: „Sie werden den Leitzins erneut senken müssen, wenn das Risiko eines tiefen ökonomischen Absturzes in den USA vermieden werden soll.“ Obwohl die US-Wirtschaft im dritten Quartal noch ein passables Wachstum erreicht habe, drohe jetzt eine empfindliche Abschwächung, womöglich sogar eine Rezession. „In dieser Lage ist ein Gegensteuern der Geldpolitik geboten, zumal gleichzeitig die Inflationsgefahren schwinden.“ Immer deutlicher zeichne sich ab, dass der Preisverfall auf dem amerikanischen Immobilienmarkt die gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft ziehe.

Bankenbosse in Gefahr

Nach dem Fall von Merril Lynch-Chef Stanley O’Neal sieht der » Independent weitere Bankenbosse in der Schusslinie. „Alle Bankenchefs, die Fehler gemacht haben, wissen, dass ihnen ein ähnliches Schicksal blühen könnte wie O’Neal“, schreibt das britische Blatt. Bislang seien O'Neal sowie Ex-UBS-Leiter Peter Wuffli die einzigen Top-Banker, die im Zuge der Finanzmarktkrise zurückgetreten seien – andere Bankenchefs hätten auf die Probleme reagiert, indem sie Abteilungsleiter ausgetauscht hätten: wie etwa Bear Stearns-Chairman James Cayne, der seinen Freund Warren Spector abgesägt habe, weil dieser zwei kriselnde Hedge Fonds geleitet hatte. In England stünden besonders große Fragezeichen hinter den Positionen von Barclays-Chef John Varley (wegen Verlusten beim Investment-Banking) sowie RBS-Boss Fred Goodwin (der mitten in der Bankenkrise womöglich zu viel Geld für ABN Amro gezahlt habe).

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