Presseschau vom 30.6.2008
Frühsommer-Blues an der Wall Street

Die internationale Wirtschaftspresse lauscht den Berichten über die in Angst und Schrecken versetzte Wall Street und rät, vorerst Ruhe zu bewahren. Der Oberserver aus Großbritannien glaubt zu wissen, was Lakshmi Mittal als Nächstes plant. La Tribune aus Frankreich sieht Steve Jobs in einer Reihe mit General de Gaulle oder Thomas Edison. Fundstück: Thomas Middelhoff kann kein Englisch.
  • 0

Von der Angst schwer gezeichnet sieht The Australian die New Yorker Wall Street. "Nicht nur die steigenden Öl- und Gaspreise, verursacht durch den neuen Rekordpreis von über 140 US-Dollar pro Barrel Rohöl, verdüstern die Aussichten der Aktienhändler, sondern auch die Inflation in Deutschland und das stagnierende Wachstum in Großbritannien und Frankreich." Das Risiko einer Inflation habe die Kreditkrise als dringlichstes Problem der globalen Finanzmärkte nun abgelöst. Sollte der Dow Jones den Juni am heutigen Montag auf aktuellem Niveau, also mit minus 10,2 Prozent, abschließen, wäre dies für die Wall Street der schlimmste Monat seit September 2002 - und der schlimmste Juni seit 1930. "Die Vorhersagen hören sich entsetzlich an", zitiert das Blatt einen Händler. Mit einer weiteren Runde von Notverkäufen sei deshalb fest zu rechnen.

"Die Inflationssorgen und die Aussicht auf eine Verknappung der global verfügbaren Liquidität hinterlassen tiefe Spuren auf den Aktienmärkten", konstatiert auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für das zweite Quartal, das am heutigen Montag zu Ende gehe, falle die Bilanz ernüchternd aus: "Die Kurse der 30 führenden Industriewerte in Amerika haben seit Anfang April durchschnittlich 11 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Von einem ?Bärenmarkt? ist die Rede." Doch auch in Frankfurt, London oder Paris sei die Stimmung äußerst mies. "Die Halbjahresbilanz für den deutschen Aktienmarkt sieht so enttäuschend aus wie lange nicht. Die 30 Werte des Deutschen Aktienindex Dax sind derzeit im Durchschnitt rund 20 Prozent billiger als zu Jahresbeginn." Aber: Eine schnelle Besserung der Lage sei nicht in Sicht.

"Die US-Aktien sind noch nicht am Tiefpunkt", glaubt die Presse aus Wien. "An der Wall Street herrscht der Frühsommer-Blues: Der Juni 2008 verspricht mit seinen bisherigen Kursverlusten der schlimmste seit 1930 zu werden." Die wichtigsten Börsenindizes wie der Dow-Jones-Index und der Standard & Poor's 500-Index hätten in diesem Jahr rund zwölf Prozent an Wert verloren und würden um rund 19 Prozent unter ihren Höchstständen vom Oktober 2007 liegen. Doch "Aktionäre, die glauben, dass es jetzt nicht mehr tiefer geht, sollten beim Einstieg vorsichtig sein: Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden, negative Überraschungen sind weiter jederzeit möglich", warnt das Blatt. Besonders gefährdet seien die Aktien von Banken und Investmentbanken aber auch Anteile an Pharma- und Industrieunternehmen, Citigroup oder General Motors seien prominente Beispiele dafür.

Nachdem der Dow Jones in die Nähe des Bärkenmarkt-Niveaus geschliddert und damit klar geworden sei, dass die Krise noch längst nicht überstanden sei, ruft die Washington Post von Panik getriebene Anteilseigner auf, Ruhe zu bewahren. Wer sein Geld auf mehrere Sektoren und Aktien verteilt habe, soll abwarten. Wer eine größere Menge an Aktien eines gefährdeten Unternehmens besitze, wie z.B. Citigroup, solle nicht aus Angst verkaufen, und wenn, dann nur in kleinen Schritten: "Verkaufen Sie nicht alles sofort auf einmal", rät ein Analyst im Gespräch mit der Zeitung. Doch der beste Rat sei, zu kaufen: "Wer noch keine Aktien besitzt, oder seinen Anteil an einem Unternehmen aufstocken will, sollte jetzt zum aggressiven Käufer werden." Viele Wirtschaftebereiche böten sich an - ausgenommen Firmen aus dem Energiesektor. "Das gehört einfach zu den Grundlagen der Ökonomie: Wenn etwas teuerer wird, lässt die Nachfrage nach."

Seite 1:

Frühsommer-Blues an der Wall Street

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau vom 30.6.2008: Frühsommer-Blues an der Wall Street"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%