Presseschau vom 31.3.2008
Die Wall Street muss zahlen

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Pläne von US-Finanzminister Henry Paulson zur Neuregulierung der US-Finanzmärkte. All Things Digital glaubt noch an den Microsoft-Yahoo-Deal. Das französische Journal du Dimanche mokiert sich über Sarkozys missglückte Schützenhilfe. Fundstück: Ist Indiana Jones nur noch eine lahme Ente?

Der Plan von US-Finanzminister Henry Paulson, Finanzmärkte, Banken, Versicherungen, Hedge- und Private Euqity Fonds strenger zu regulieren und der US-Notenbank (Fed) weitreichende Vollmachten zu Information und Kontrolle einzuräumen, stößt bei » Forbes auf positives Echo: "Dieser Plan ist ebenso umfassend wie längst überfällig." Die Vorschriften für das US-Finanzsystem hätten sich unsystematisch entwickelt, Regierung und Bundesstaaten seien gleichermaßen involviert, was Interessenkonflikte zur Folge gehabt habe. "Dadurch konnten Lücken entstehen, die leichtfüßige Finanzinstitute gern nutzten." Auch werde das System der Komplexität des Weltfinanzmarktes nicht mehr gerecht. Die neuen Regeln würden Lücken schließen und könnten dem US-Finanzdienstleistungssektor "zu neuer Wettbewerbsfähigkeit - und zu seiner weltweit führenden Rolle zurück verhelfen."

Die » New York Times sieht in den Regulierungen dagegen das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, Washingtons Rolle im Markt zu beschränken. "Sie reflektierten die Haltung ihres Architekten Henry Paulson, der stets bedacht gewesen ist, so wenig Vorschriften wie nötig zu schaffen, um den US-Markt nicht in seiner Konkurrenzfähigkeit zu schwächen." So würde es erstmals Regulierungen für Hedge- und Private Equity Fonds geben, "doch nach den Plänen von Paulson wäre der Handlungsspielraum der Regierung begrenzt, sie könnte lediglich Informationen verlangen und sammeln", nennt das Blatt ein Beispiel. Auch das Recht der Fed, gegen Finanzinstitute vorzugehen, die ihr Risikomanagement nicht im Griff haben, wäre zum Beispiel nur "in Fällen gestattet, bei denen ein Eingriff die Stabilität des Finanzmarktes nicht gefährden würde."

"Die Wall Street hat um Hilfe gerufen, jetzt muss sie dafür zahlen", kommentiert die » Süddeutsche Zeitung die Logik hinter Paulsons Vorschlägen für die Neuregulierung der US-Finanzmärkte. Denn der Tabubruch, der Investmentbank Bear Stearns mit Milliarden-Krediten auszuhelfen, sei nur zu rechtfertigen, wenn Ähnlichem in Zukunft vorgebaut werde. Paulsons Vorschläge seien jedoch maßvoll: "Der Minister, selbst ein gelernter Investmentbanker, scheint peinlich darauf geachtet zu haben, nicht überzureagieren. Investmentbanken, Hedge-Fonds und Finanzinvestoren werden zwar erstmals reguliert, die Regulierung bleibt aber lockerer als bei normalen Geschäftsbanken." Vielleicht seien Paulsons Vorschläge aber nur ein Anfang. Zumindest wenn Hillary Clinton neue US-Präsidentin werde, könnte die Regulierung der Wall Street noch deutlich strenger ausfallen.

Die nicht nur in den USA erhobenen Forderungen nach Regulierung werden zudem durch einen Bericht des Spiegel untermauert: In seiner heutigen Ausgabe schreibt das Magazin, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen der Finanzkrise mit globalen Verlusten von bis zu 600 Milliarden Dollar rechne. Die Summe beziffere das Ausfallrisiko, das Finanzinstitutionen weltweit durch fehlgeschlagene Spekulationen rund um minderwertige amerikanische Hypothekendarlehen im ungünstigsten Fall verkraften müssen. Die Verluste könnten aber auch niedriger ausfallen: "Nach gegenwärtiger Marktlage und Kenntnis halten wir einen Betrag von 430 Milliarden US-Dollar für wahrscheinlicher", zitiert das Magazin aus der 16-seitigen BaFin-Vorlage. Nach ihrer Schätzung sei es das erste Mal, "dass eine Krise, die nur in einem Wirtschaftssektor ausgebrochen ist, das Potential hat, weit über ihr Ursprungsland hinaus die Wirtschaft weltweit signifikant zu beeinträchtigen." Sorgen bereite der BaFin vor allem, dass Verluste bislang sehr konzentriert bei vergleichsweise wenigen Unternehmen auftreten, das deute auf eine "hohes systemisches Risiko" der Krise hin.

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