Presseschau vom 31.8.2007
Das Signal von Jackson Hole

Die Times sieht Fed-Chef Ben Bernanke unter wachsendem Druck. Economist und Fortune beschäftigen sich mit dem Hass der Konkurrenz auf Google. Im Standard erklärt Carlos Ghosn, warum er immer noch ein Verfechter großer Autobauer-Fusionen ist, und das Manager Magazin hat beim Discounter Lidl ein schlummerndes Talent entdeckt.

Subprime-Krise und die Fed

Nach Einschätzung der » Times wächst der Druck auf Bernanke, nachdem die jüngste Arbeitslosenstatistik gezeigt habe, dass sich die Krise auf dem Kreditmarkt inzwischen auf die gesamte US-Wirtschaft auswirkt. Bernanke habe jüngst in einem Brief an einen Senator betont, dass er – falls nötig – bereit sei, zu handeln. Gestern habe die Fed weitere zehn Milliarden Dollar in den Kreditmarkt gepumpt, „als Erinnerung, dass die mit dem US-Subprime-Markt verbundenen Kreditprobleme weit von einem Ende entfernt sind“.

Das » Wall Street Journal sieht Anzeichen dafür, dass sich Bernanke vom Kurs seines Vorgängers Alan Greenspan entfernt. Für Greenspan seien die beiden Aufgaben der Fed, die finanzielle Stabilität sichern und die Inflation zu kontrollieren, untrennbar miteinander verbunden gewesen. Das bisherige Auftreten von Bernanke in der Subprime-Krise zeige dagegen, dass er zwischen den beiden Funktionen klar unterscheide: Er habe zwar den Diskontsatz gesenkt, nicht jedoch den Leitzins.

Die » Financial Times Deutschland erwartet, dass sich die Top-Notenbanker bei ihrem Stelldichein vorwiegend mit sich selbst und ihrer Rolle in der Krise beschäftigen werden: „Sollen sie eingreifen, um zu verhindern, dass sich die Turbulenzen ausbreiten? Oder sollen sie sich zurückhalten, damit die Banken ihre gerechte Strafe für Fehlspekulationen erhalten?“ Auch das bislang zurückhaltende Handeln von Bernanke stehe auf dem Prüfstand. „Insider weisen (...) darauf hin, dass die harte Haltung Grenzen hat. Zeichne sich ab, dass eine Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchschlägt, könne eine Zentralbank zu Zinssenkungen gezwungen sein – selbst wenn davon Anleger profitieren, die nicht aufgepasst haben.“

Egal ob die Fed den Leitzins senkt oder nicht – die » Times wünscht sich, dass die „Giganten des Universums“ endlich aufhören, Kompetenz und Glück zu verwechseln. Gemeint sind die Banker, die sich auf dem Höhepunkt der Subprime-Krise überrascht gezeigt hätten, wie jemand so blöd gewesen sein konnte, Kredite an einkommensschwache Häuserbauer zu vergeben. „Seltsam ist, dass ich in all den Jahren mit Bankern gesprochen habe, die genau wussten, dass die Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen“, wundert sich die Autorin. Eine Erklärung habe ihr gestern ein Banker geliefert: „Wenn etwas eine Zeitlang auf der Hand liegt, aber dennoch keiner etwas dagegen tut, schwimmst du irgendwann mit dem Strom.“ Am Ende des Kommentars räumt die Autorin ein: „Ich kenne mich mit Hochfinanz nicht besonders gut aus. Aber ich fürchte, dass auch einige ihrer Hohepriester nicht viel davon wissen.“

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