Presseschau vom 4.10.2007
Enthüllungen statt Erfolgsgeschichte

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Vorwürfe zum Insiderhandel bei EADS. Wall Street Journal beschwört das Ende der „Wal-Mart-Ära“. Die New York Times macht sich Sorgen, dass die USA gegenüber dem „Breitband-Paradies“ Japan zurückfallen. Business Week rät Microsoft, sich vom MP3-Player-Markt zurückzuziehen. Fortune hat Mitleid mit wenig verdienenden Top-Managerinnen.

„Die Gesundheit von Airbus steht auf dem Spiel“, kommentiert » Forbes die Enthüllungen von Le Figaro, denen zufolge 21 EADS-Manager von der französischen Finanzbehörde beschuldigt werden, in Aktien-Insidergeschäfte verwickelt zu sein. Die Beschuldigungen seien zwar nicht neu, dies sei jedoch das erste Mal, dass eine komplette Untersuchung bei großen Aktionären sowie Managern eingeleitet wurde. Ex-EADS-CEO Noel Forgeard habe immer bestritten, dass sein Verkauf von Aktien im Wert von 3,4 Millionen Dollar auf Insider-Wissen basiert habe.

Gerade zu dem Zeitpunkt, da Airbus darauf hoffe, seinen mehrfach verspäteten Superjumbo als Erfolgsgeschichte verkaufen zu können, und die Auslieferung des ersten A380 bevor stehe, müsse sich das Unternehmen mit den Anschuldigungen zum Insiderhandel auseinandersetzen, schreibt die » Herald Tribune. Jetzt stelle sich die Frage, ob die geplagte Firma jemals die Probleme hinter sich werde lassen können. Airbus habe bereits die Position des weltweit dominanten Flugzeugbauers gegenüber Boeing eingebüßt. Das in Toulouse angesiedelte Unternehmen sei mitten in einem Restrukturierungsprozess, in dem tausende Jobs abgebaut werden, beschreibt die Zeitung die schwierige Situation des Unternehmens.

„Noch ist kein Urteil gefällt, doch die Beweislast erscheint erdrückend“, schreibt die » Frankfurter Allgemeine. Bei Minderheitsaktionären und Beschäftigten werde jetzt der Zorn wachsen: „Der durch die Misswirtschaft nötige Personalabbau trifft die Mitarbeiter hart. Jetzt erfahren die Beschäftigten, wie etliche Manager vor dem Bekanntwerden der Krise ihre Aktienwerte gerettet haben. Die verdächtigten Führungskräfte müssen jetzt beweisen, dass sie ahnungslos waren. Dann aber darf man fragen, was sie als Aufseher gemacht haben.“

» 20 Minutes untersucht die Rolle des französischen Staates in der Affäre. Dieser habe die Situation bei EADS gekannt, das Wissen jedoch selbst nicht ausgenutzt, um Aktien zu verkaufen – andererseits aber auch nichts dagegen getan, dass andere ihr Insiderwissen in bare Münze verwandelten. Dies sei die Verteidigungslinie der Regierung, die noch stabil wirke, bei weiteren Enthüllungen jedoch erschüttert werden könne.

» Libération zweifelt an den Aussagen der Beschuldigten, die beteuerten, nichts von der „schlechten Gesundheit“ von Airbus gewusst zu haben. Dass selbst der damalige Wirtschaftsminister Thierry Breton zum Zeitpunkt der Aktienverkäufe von der bevorstehenden zweiten Verspätung der A380-Auslieferung nichts gewusst haben soll, sei erstaunlich. Schließlich hätten mindestens 1200 Personen von ihrem Insiderwissen profitiert und Aktien verkauft.

„Für alle, die sich näher mit dem Luftfahrtkonzern EADS beschäftigen, musste Anfang 2006 klar gewesen sein, dass es mit dem Aktienkurs bergab gehen würde“, schreibt die » Süddeutsche Zeitung. Dass etliche Mitarbeiter und Führungskräfte zu diesem Zeitpunkt ihre Aktien verkauft hätten, könne deshalb nicht verwundern. Juristisch hieb- und stichfest werde man ihnen jedoch kaum ein Delikt des Insiderhandels nachweisen können. „Die Ermittler werden weder ein Datum festsetzen können, von dem an intern unwiderruflich feststand, dass es zu Lieferverzögerungen kommen wird. Sie werden auch keinen Zusammenhang zwischen dem Verkauf der Aktien und dem vermeintlichen Wissen um die Probleme herstellen können. Auch werden sie nie belegen können, dass die mutmaßlich Eingeweihten ahnen konnten, dass das Bekanntwerden der Verzögerung zu einem Kurssturz von 26 Prozent führen würde.“

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