Presseschau vom 4.8.2008
Die dunkle Seite der Globalisierung

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich uneins in der Bewertung der globalen Inflationswelle und zeichnet verschiedene Zukunftsszenarien. Die Süddeutsche sieht Jerry Yangs Tage gezählt, sollte er Yahoo nicht schnell zu Erfolgen führen. Der Business Spectator aus Australien erklärt, warum Luxus der Krise trotzt. Fundstück: Lebenslange Gewinne mit der Literatur-AG.
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"Die Ära der niedrigen Inflationsraten ist endgültig vorbei", stellt Newsweek fest - und rät der Weltwirtschaft, sich dauerhaft auf höhere Inflationsraten einzustellen. "Zum ersten Mal seit 35 Jahren sieht sich die Welt mit einer ernsthaften, synchron verlaufenden Inflationswelle konfrontiert. Die wachsende Vernetzung des Welthandels und der Kapitalmärkte hat einen weltweit spektakulären Boom in Gang gesetzt, aber nun rast das, was man die dunkle Seite der Globalisierung nennen könnte, mit noch schnellerer Geschwindigkeit um den Erdball." Anders als vor 30 Jahren sei die derzeitige Inflation durch Verbrauchsgüter verursacht. Ob Öl, Strom, Lebensmittel, Landwirtschaft - der Trend gehe überall zu hohen Preisen und die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Inflationsraten in den kommenden Jahren auf ein höheres Niveau als in den Vorjahren einpendele, sei groß. Experten gingen davon aus, dass die weltweite Durchschnittsrate fünf bis sieben Prozent betragen werde. "Die globalen Kräfte, die einst die Inflation im Zaum halten konnten, erweisen sich nun als zu schwach. Und die neue Wirtschaftsordnung, geformt durch das Wachstum und die Nachfrage in den Schwellenländern, ist zu komplex, als dass man ihre Folge - die Inflation - schnell in den Griff bekäme."

In der Schweizer Sonntagszeitung warnt dagegen Klaus Wellershoff, Chefökonom bei der UBS, in einem Interview vor Panikmache: "Wer heute von Stagflation spricht, versucht bewusst, eine Parallele zu den Siebzigerjahren herzustellen. Damals hatten wir Inflationsraten, die um ein Mehrfaches über dem lagen, was wir in absehbarer Zeit erreichen werden. Da wird den Leuten unnötig Angst gemacht." Natürlich würden die derzeitigen Inflationsraten niemanden kalt lassen, seit Jahren warne die UBS vor einem wachsenden Inflationspotenzial. "Bei einer sich deutlich abkühlenden Weltwirtschaft sind das aber Sorgen für den nächsten Aufschwung. Jetzt gehen Wachstum und Inflation erst mal zurück", ist Wellershoff überzeugt.

Auch Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, ruft in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu mehr Besonnenheit im Umgang mit der aktuellen Inflation auf. Die Sorge sei verständlich, würden die Preissteigerungen doch auf den realen Einkommen der Verbraucher lasten und die Zentralbanken nervös machen. Doch die derzeitige Aufregung werde sich in den nächsten Monaten wieder legen. "Es ist zwar nicht zu leugnen, dass die Weltwirtschaft derzeit wegen der höheren Rohstoffpreise ein Inflationsproblem hat. Allerdings ist sowohl für die Anleger als auch für die Geldpolitik nicht die derzeitige Preissteigerung entscheidend, sondern die zu erwartende Inflation in den nächsten ein bis zwei Jahren." Und da bestehe wenig Grund zu Sorge. Denn erstens würden die Rohstoffpreise im nächsten Jahr vermutlich weit weniger inflationär wirken als in den vergangenen zwölf Monaten. Zweitens gebe es unabhängig vom kurzfristigen Ölpreisausblick nur sehr wenig Anzeichen für so genannte Zweitrundeneffekte, etwa auf die Löhne oder Preise, die nicht direkt von den Rohstoffmärkten abhängen. Und drittens schwäche sich das weltwirtschaftliche Wachstum derzeit eindeutig ab. "In einem solchen Umfeld sinkt in der Regel über kurz oder lang die Inflation." Die Erwartungen der Finanzmärkte für steigende Kurzfristzinsen seitens der Notenbanken seien bei diesem "freundlichen Inflationsausblick" verfehlt.

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