Presseschau vom 5.11.2007
Chaos im Citi-Reich

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt den Wechsel an der Citigroup-Spitze. Die Japan Times befürchtet eine Immobilienkrise in Nippon. Für die Herald Tribune ist PetroChina jetzt das mächtigste Unternehmen der Welt. Die New York Times bewundert den Schachzug von Google im Spiel gegen Facebook. Fundstück: Opium fürs Werbevolk.

Nach dem Rücktritt von Charles Prince und der Ernennung von Win Bischoff als Interims-Unternehmenschef sowie Robert Rubin als neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates schreibt das » Wall Street Journal, dies sei eine Zäsur für die Großbank, die von zahlreichen Problemen belastetet werde: schleppendem Gewinn- und Umsatzwachstum, Milliarden-Dollar-Verlusten bei hypothekenbezogenen Sicherheiten, einer schwindenden Kapitalbasis, die das Wachstum erschwere, sowie der aktuellen Führungskrise. Rubin müsse sich der Kritik von Angestellten und Aktionären stellen, dass er selbst und seine Kollegen aus dem Verwaltungsrat zu wenig getan hätten, um den Kurs des Unternehmens und das Engagement im Subprime-Geschäft zu überwachen. Corporate-Governance-Experten kritisierten den 14-köpfigen Verwaltungsrat, der Teil des Bankenproblems sei. Da dieser aus CEOs bestehe, neige das Board dazu, sich der Meinung ihres Citi-CEO-Kollegen anzuschließen, statt eine „aggressive Kontrolle“ auszuüben.

Nach Einschätzung der » New York Times erwartet Rubin jetzt die schwierigste Aufgabe seines Lebens – die Citigroup wiederzubeleben, die gestern bekannt gegeben habe, über ihre bisherigen Bereinigungen (5,9 Miliarden Dollar) hinaus nochmals bis zu bis elf Milliarden US-Dollar abschreiben zu müssen. Investoren verlangten von der neuen Unternehmensführung nun einen Kurswechsel, um Citi auf eine überschaubare Größe zu stutzen. „Ihre Hauptkritik liegt darin, dass die Citigroup versucht, alles Mögliche zu sein: eine kommerzielle Bank, Brokerage-Firma, Investment-Bank und ein Kreditkarten-Unternehmen.“ Das Engagement in über 100 Ländern erschwere die Kontrolle der Risiken. „Die Technologie-Systeme sind veraltet. Die hauseigene Cowboy-Kultur und die Geschäftspolitik können kaum unter einen Hut gebracht werden. Durch die schiere Größe ist es schwierig, die Profit-Nadel zu bewegen“, schreibt das Blatt.

» Fortune blickt in die Zukunft der Großbank, die fast ein Drittel ihres Unternehmenswertes in diesem Jahr verloren habe. Die neue Bankenführung müsse Citi sowohl durch die derzeitigen Turbulenzen führen als auch einen langfristigen Restrukturierungsplan entwerfen, der enttäuschte Investoren und Mitarbeiter besänftige. Ein Stolperstein sei die anstehende Untersuchung der Bank durch die Securities and Exchange Commission, die für die Kontrolle des Wertpapierhandels in den Vereinigten Staaten zuständig sei und wegen Unregelmässigkeiten bei der Erfassung der SIV („structured investment vehicles“) und der Offenlegung von Verlusten ermittele. Möglicherweise müsse Citi die bereits für das dritte Quartal gemeldeten Zahlen korrigieren und noch höhere Verluste ausweisen. Fazit des Artikels: „Prince hat seinen Thron aufgegeben, das Königreich seinem Nachfolger aber in einem schrecklichen Chaos hinterlassen.“

Die » FAZ glaubt, dass die Revirements bei der Citibank und Merrill Lynch nicht die letzten an der Spitze von Investmentbanken gewesen seien. „Auch die Kritik an James Cayne, dem Chef von Bear Stearns, wird lauter. Cayne, dessen Haus mit der Schieflage von zwei großen Hedge-Fonds im Sommer stark zur Verunsicherung an den Finanzmärkten beigetragen hatte, ließ sich trotz der sich zuspitzenden Lage nämlich nicht von Golf- oder Bridge-Turnieren abhalten.“ Alle drei Vorstandschefs hätten zunächst die jeweils direkt verantwortlichen Personen ausgetauscht. „Die Forcierung des Hypothekengeschäfts aber war eine ganz oben aufgehängte strategische Entscheidung, und die Handhabung von Risiken zählt zu den Kernkompetenzen einer Investmentbank. Die Verantwortung liegt letztlich beim Vorstandschef. Deswegen sind die als Rücktritte kaschierten Entlassungen von O'Neal und Prince gerechtfertigt“, finden die Frankfurter.

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