Presseschau vom 5.12.2007
Drohkulisse mit desaströsen Folgen

Nachdem die Pin Group angekündigt hat, 1 000 Mitarbeiter zu entlassen, müssen SPD und CDU in der Presse viel Kritik für den Post-Mindestlohn einstecken. Alarmiert von den Auswirkungen des schwachen Dollars zeigt sich Les Echos. Die New York Times erklärt, warum die Koreaner die Samsung-Affäre unter den Teppich kehren wollen. Fundstück: Monster Rally im Silicon Valley.

Nachdem die Pin-Gruppe gestern angekündigt hat, 1 000 Mitarbeiter zu entlassen, kommentiert die Berliner » Tageszeitung: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass das Management jetzt sein eigenes Versagen auf die Politik abschieben will. Denn das Unternehmen ist offenbar schlecht geführt, wenn es bei nur 350 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 55 Millionen einfährt“, argwöhnt das Blatt. Der Verlust der schlecht bezahlten Arbeitsplätze schreckt die taz nicht: „Es ist eben nicht wahr, dass jeder Lohnjob sich lohnt. Schon jetzt sieht sich der Staat in der Zwangslage, dass er immer mehr Beschäftigte subventionieren muss, die von ihren Gehältern nicht leben können.“

In einem zweiten Artikel beschreibt die » Tageszeitung die vollständige Übernahme des Postdienstleisters für mehr als eine halbe Milliarde Euro im nachhinein als die bislang größte Niederlage für Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner – Springers Konkurrenten wie die WAZ-Gruppe und Holtzbrinck seien dagegen fein raus, weil sie ihre Anteile an der einst gemeinsamen Pin AG für teures Geld verkauft hätten. Die „Baustelle“ Pin werde im Rahmen des angekündigten Konzernumbaus Folgen haben. So sei die Zerschlagung des Springer-Konzerns in zahlreiche Einzelunternehmen unter dem Dach einer Holding geplant.

Von einem „gesamtwirtschaftlichen Desaster“ schreibt die » Süddeutsche Zeitung. „Weil sich die SPD mit ihrer Forderung nach einem hohen gesetzlichen Mindestlohn nicht durchsetzen konnte, kämpft sie jetzt unter Missachtung allen ökonomischen Sachverstands für noch höhere Branchenlösungen. Die Union findet nicht die Kraft für eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema Mindestlohn, stimmt aber aus Angst vor dem Wahlvolk halbgaren Lösungen zu“, zürnt die SZ. Ihr Fett bekommen allerdings auch die verhinderten Post-Konkurrenten weg: Sie, die „manchen Beschäftigten angeblich keine fünf Euro pro Stunde zahlen, sind mit einem skandalösen Geschäftsmodell gescheitert, das von Beginn an darauf abzielte, dem Staat einen Teil der Lohnkosten aufzubürden.“

Die » Financial Times Deutschland moniert, dass die „Drohkulisse“ von Pin & Co. gegen die Pläne der Bundesregierung für einen Postmindestlohn den Wettbewerb am deutschen Postmarkt nicht weiterbringen. „Anstatt zu klagen, sollten die Post-Konkurrenten vielmehr noch intensiver als bislang versuchen, der Post auch im Briefmarkt Anteile abzunehmen – ungeachtet der Mindestlöhne.“ Bei TNT Post seien die Voraussetzungen dafür sehr gut: Das Tochterunternehmen der früheren niederländischen Staatspost besitze in Deutschland schon heute ein weit gespanntes Zustellnetz und könne rund 90 Prozent der hiesigen Haushalte erreichen. „In diese Infrastruktur sollte das Unternehmen weiter investieren, um seine Basis langfristig zu stärken und damit zu einem ernsthaften Konkurrenten der Deutschen Post aufzusteigen“, rät die FTD.

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