Presseschau vom 6.12.2007
Fette Katzen am Pranger

Die Wirtschaftspresse diskutiert über die Schelte von Politikern für zu hohe Managergehälter. Der Daily Telegraph sieht Alistair Darling beim Versuch der Rettung von Northern Rock in einer aussichtslosen Situation. Newsweek übt Kritik am neuen Facebook-Werbeprogramm. Le Figaro verteidigt die Währungspolitik Chinas. Fundstück: Schwarzer Gürtel in 6 aus 49.

Der » Guardian verfolgt die Diskussion um zu hohe Gehälter für „fette Katzen“ in Deutschland, bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel besonders zwei Männer im Auge habe: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und ihren Vorgänger Gerhard Schröder, der für Gazprom auf einer hochdotierten Suche nach europäischen Kooperationspartnern sei. Die Schelte durch die Politiker sei insofern widersprüchlich, als die deutschen politischen Führer bislang zögerlich auf Forderungen nach mehr Transparenz bei den Vorstandsgehältern reagiert hätten – im Gegensatz zu Großbritannien, wo so genannte „Remuneration Reports“ detailliert aufschlüsselten, wie viel die einzelnen Vorstände beziehen, und wo die Lohn-Kluft weitaus größer sei als in Deutschland. Gerade erst habe eine britische Gewerkschaft eine Studie veröffentlicht, nach der Top-Manager über 50 Mal mehr verdienen als Gering-Verdiener. „Vielleicht bereitet sich Merkel darauf vor, Gehaltsreports der Vorstände zur Pflicht zu machen“, vermutet das Blatt.

„Wenn schon Leistungsgesellschaft, dann richtig! Erfolgreiche Chefs dürfen viel Geld erhalten, erfolglose aber nicht", stellt sich die » Zeit auf die Seite von Merkel. „Am schlimmsten für die Akzeptanz ist es, wenn Männer wie der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp Abermillionen kassieren, nachdem zuvor unter ihrer Führung Abermilliarden an Börsenwert verloren gingen.“ Wer 50 Millionen Euro verdienen wolle, solle selbst ein Unternehmen gründen, zitiert die Wochenzeitung Ex-Allianz-Chef Henning Schulte Noelle.

In der Diskussion um den Verkauf von Aktienoptionen in Millionenhöhe kurz nach der Mindestlohn-Einigung durch Post-Chef Klaus Zumwinkel geht die » Bild-Zeitung auf den Vorwurf der Post ein, eine Kampagne gegen die Post lanciert zu haben – Hintergrund: Der Axel Springer Verlag, in dem Bild erscheint, ist die Mutter der Pin Group und somit ein Post-Wettbewerber. Die Berichterstattung über Zumwinkels Aktienverkauf sei keine Kampagne, „sondern die Suche nach dem Punkt, wo Anstand und Vorbild enden und Gedankenlosigkeit beginnt“, schreibt die Bild. In der Debatte gehe es nicht nicht um das Millionengehalt eines Vorstandschefs, der aus einem lahmen Staatskonzern ein modernes internationales Unternehmen gemacht habe. „Kurzum: Es geht nicht um Neid. Was allein zählt, ist die Frage, ob es ein Geschmäckle hat, wenn ein Konzernchef mehr als trickreich mögliche Konkurrenz abblockt – und zugleich passgenau eine politische Entscheidung privat zu Geld macht. Das hat Klaus Zumwinkel getan.“

Die Bild-Konzernschwester » Welt wirft einen Blick in die USA, wo die ständig steigenden Managergehälter seit 25 Jahren kräftig kritisiert werden. Mit Änderungen von Steuergesetzen und neuen Transparenzvorgaben hätten Politiker versucht, neuen Rekordzahlungen Einhalt zu gebieten. „Dass sie dabei meist vergeblich vorgingen, sollten deutsche Politiker bei möglichen Forderungen nach Vorgaben für die Managementvergütung bedenken“, rät die Zeitung. Im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf komme die Frage dennoch wieder auf. „Die Schere zwischen denen, die die Früchte einer modernen Wirtschaft ernten, und denen, die sie nicht ernten, geht weiter auseinander“, habe etwa die demokratische Senatorin Hillary Clinton gesagt.

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