Presseschau vom 6.5.2008
Höchste Zeit für einen Kurswechsel

Die internationale Wirtschaftspresse registriert Anzeichen zur Erholung des Dollars – und stellt das System der starren Wechselkurse in Frage. Les Echos aus Frankreich beklagt den Verlust verbindlicher Wirtschaftsgesetze. Die Times of India verbietet sich Panik angesichts der steigenden Inflation im Land. Fundstück: Belgien stößt die USA vom Thron.

Die » FAZ sieht die Zeit für flexible Wechselkurse gekommen. Nicht Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt würden das Austauschverhältnis bestimmen, sondern oftmals die Politik. Dabei würden die Wechselkurse oft einseitig fixiert – eine Manipulation, um den Export zu fördern. Große Überschüsse der Leistungsbilanzen etwa in China oder das Defizit in der amerikanischen Außenhandelsbilanz seien nicht zuletzt der Unbeweglichkeit der Wechselkurse zuzuschreiben. Dieses Spiel berge erhebliche Risiken und habe u.a. die Fehlsteuerung von Investitionsströmen oder die Anhäufung von Währungsreserven zur Folge. „Riskant ist die Wechselkursbindung aber nicht zuletzt deshalb, weil sich China, Saudi-Arabien und die anderen dadurch einer eigenständigen, auf die Sicherung der Preisstabilität im Innern gerichteten Geldpolitik berauben.“ Eine schnelle Flexibilisierung des Wechselkurses sei deshalb auch in ihrem eigenen ökonomischen Interesse.

Im Interview mit dem Wiener » Standard warnt auch Robert Mundell, einer der Väter des Euro und Nobelpreisträger für Wirtschaft, vor einer falschen Wechselkurspolitik. Er kritisiert jedoch den hohen Eurokurs und plädiert für eine rasche Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Auch feste Wechselkurse hält Mundell für ein probates Mittel. Die Frage der Zeitung, ob er für einen festen Wechselkurs zwischen Euro und Dollar eintrete, bejaht der kanadische Star-Ökonom: „Kleine Währungsschwankungen sind kein Problem, aber wenn der Euro zuerst um 40 Prozent fällt und dann um 70 Prozent steigt, dann ist der Schaden gewaltig – und wird noch lange anhalten.“

Analysten in den USA freuen sich nach Informationen des » Wall Street Journals auf eine absehbare Erholung des Dollar. Sie glauben, das sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet unter dem Einfluss der allgemeinen Stimmungslage bewegen werde. „Doch um dem Dollar zu einem längerfristig wirkenden Schub zu verhelfen, sollte sich auch die US-Notenbank bewegen: Fed und EZB müssen den großen Abstand zwischen ihren Zinssätzen verringern, denn dieser hat die Attraktivität des Dollars erheblich unterminiert“, argumentiert das Blatt. Analysten glaubten, dass dies bald geschehen werde.

Auch » Businessweek registriert Anzeichen für eine Erholung der amerikanischen Währung – und fragt sich, welche Vorteile ein erstarkender Dollar mit sich brächte, und welche Nachteile. Amerika könne viel gewinnen, werde seine schwache Währung doch als Symbol für sein sinkendes Ansehen gewertet. Zudem habe der schwache Dollar Millionen von Jobs gekostet, viele mittelständische und kleine Unternehmen hätten vom Exportboom kaum profitieren können. „Auf der anderen Seite müssten die Verbraucher mit steigenden Kosten rechnen. Und auch der Kostenvorteil, der viele Investoren nach Amerika gelockt und Firmen veranlasst hat, ihre Produktion hierher zu verlagern, wäre dahin.“ Doch letztlich ginge es um ein Ziel: Das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln. Und in dieser Hinsicht seien die Argumente, die für einen schwachen Dollar sprechen, nur ein schwacher Trost.

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